Pechmarie und Goldmarie



Es war einmal eine Motivationstrainerin, die hatte zwei Töchter, die beide Marie hießen.

Die eine war fleißig, die andere faul.

Eines Tages kam die Fleißige an einen Brunnen, auf dem stand: ''Kein Trinkwasser!''

''Das steht da nur aus rechtlichen Gründen'', dachte sich die Durstige.

Das Mädchen trank von dem Wasser

und fiel aus Versehen in den Brunnen hinein, woraufhin sie ihr Bewusstsein verlor.

Irgendwann erwachte sie wieder in einer ihr völlig unbekannten Gegend.

Am Fenster eines sanierungsbedürftigen Hauses stand eine alte Frau.

Frau Holle, so hieß nämlich die Mieterin, sagte zu dem Mädchen:

''Kompetente Seniorenpflegerinnen wie du sind heute selten, bei mir gibt's viel Arbeit.''

Und weil die Fleißige so arbeitsgeil war, machte sie der Frau Holle den Haushalt.

Nach einiger Zeit bekam das Mädchen jedoch Heimweh

und äußerte das Begehren, nach Hause zurückkehren zu dürfen.

Frau Holle gewährte ihr diesen Wunsch. Die Alte führte das Mädchen zu einem Tor,

durch das sie gehen sollte. Als die Fleißige durch das Tor schritt,

regnete es von oben dioxinverseuchtes Pech auf sie herab,

das nicht mehr von ihrer Haut abging.

Das Mädchen sagte: ''Fucking bullshit! Ich werde mich am Schicksal bitter rächen.

Ich studiere Mathematik und promoviere über Paradoxietheorien.''

Als die Mutter ihre Tochter so pechverschmiert sah, nannte sie ihr Kind Pechmarie.

Aus Gründen des sozialen Ausgleichs schickte die Mutter

nun auch ihre faule Tochter zum Brunnen. Der geschah fast dasselbe.

Nur kam ihre zweite Tochter statt an Frau Holles Haus zu einem anderen Haus,

in dem eine gewisse Frau Hölle wohnte.

Nach zehn Minuten Erwerbstätigkeit

ließ die Arbeitsdisziplin des faulen Mädchens erheblich nach.

Frau Hölle sagte: ''In deinem Alter war ich auch ziemlich faul.

Ich habe nicht mal einen Hauptschulabschluß.

Wir lassen uns jetzt mit einem Chateau Mouton Rothschild 1945 zulaufen,

den hat mein Schwiegersohn selber geklaut. Zum Glück ist der ganz Keller voll davon.''

Nach einem wochenlangen Saufgelage bekam auch die Faule Heimweh und begehrte,

nach Hause gelassen zu werden.

Frau Hölle führte sie zu demselben Tor, durch das auch Pechmarie geschritten war.

Als das faule Mädchen durch das Tor hindurch ging, regnete es Gold auf sie.

Nun war das Mädchen um einiges wertvoller,

denn auch das Gold ließ sich nicht entfernen.

Zuhause angekommen wurde sie von der Mutter Goldmarie genannt.

Vor lauter Zorn über die Ungerechtigkeit des Lebens

trat die Mutter aus der Kirche aus und ging vor ein weltliches Gericht.

Pechmarie wurde später die erste Professorin für Logik mit Dioxinnarben im Gesicht.

Ihr Leben war völlig verpfuscht.

Goldmarie jedoch lebte glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.



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