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Hänsel und Gretel

Hänsel und Gretel sind ein Bruder und eine Schwester. Sie leben mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter in einem kleinen Haus am Rand eines großen Waldes. Die Familie ist sehr arm. Es gibt oft nicht genug zu essen. Die Stiefmutter ist streng und böse. Eines Tages sagt sie zum Vater, dass er die Kinder in den Wald bringen soll. Sie meint, dass es besser ist, wenn zwei Münder weniger zu Hause sind. Der Vater möchte das nicht, aber die Stiefmutter zwingt ihn.

Hänsel hat den Plan gehört. Er geht hinaus und sammelt kleine weiße Steine. Am nächsten Morgen gehen die Kinder mit dem Vater in den Wald. Hänsel lässt die Steine heimlich auf den Weg fallen. So können die Kinder später den Weg zurückfinden. Die Stiefmutter lässt die Kinder im Wald allein. Am Abend scheint der Mond und die Steine leuchten. Hänsel und Gretel finden den Weg nach Hause. Der Vater freut sich, aber die Stiefmutter wird sehr wütend.

Einige Tage später bringt die Stiefmutter die Kinder wieder in den Wald. Dieses Mal kann Hänsel keine Steine sammeln. Er lässt Brotkrumen auf den Weg fallen. Doch die Vögel fressen die Krumen. Die Kinder finden den Weg nicht zurück. Sie laufen lange durch den Wald. Sie sind müde und hungrig.

Nach einiger Zeit sehen sie ein kleines Haus. Es ist aus Brot, Kuchen und Zucker gebaut. Die Kinder sind sehr froh und fangen an zu essen. Plötzlich kommt eine alte Frau aus dem Haus. Sie tut so, als wäre sie freundlich, aber in Wirklichkeit ist sie eine böse Hexe. Sie lockt die Kinder hinein. Dann sperrt sie Hänsel in einen Käfig. Sie will ihn fett machen und später essen. Gretel muss für die Hexe arbeiten.

Die Hexe prüft jeden Tag, ob Hänsel dicker wird. Hänsel hält ihr aber einen dünnen Stock hin, damit sie denkt, er sei noch mager. Die Hexe wird ungeduldig. Sie sagt Gretel, dass sie den Ofen vorbereiten soll. Gretel tut so, als verstehe sie nicht, wie man den Ofen prüft. Die Hexe beugt sich vor den Ofen. In diesem Moment stößt Gretel sie hinein und schließt die Tür.

Gretel befreit Hänsel. Die Kinder finden im Haus der Hexe viele Schätze. Sie nehmen etwas Gold mit und finden den Weg nach Hause. Der Vater ist glücklich, dass sie wieder da sind. Die böse Stiefmutter ist nicht mehr im Haus. Jetzt leben Hänsel, Gretel und ihr Vater zusammen und haben genug zum Leben.




Schneewittchen

Es war einmal eine Königin, die sich ein Kind wünschte. Eines Tages nähte sie am Fenster. Sie stach sich mit der Nadel in den Finger, und drei Tropfen Blut fielen in den Schnee. Die Königin dachte: „Ich möchte ein Kind haben, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz.“ Bald bekam sie eine Tochter. Das Mädchen hieß Schneewittchen. Doch die Königin starb, und der König heiratete eine neue Frau.

Die neue Königin war sehr schön, aber auch sehr stolz und böse. Sie hatte einen Zauberspiegel. Jeden Tag fragte sie: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Der Spiegel antwortete immer: „Ihr, Frau Königin, seid die Schönste im Land.“ Die Königin war zufrieden.

Doch Schneewittchen wurde älter und immer schöner. Eines Tages sagte der Spiegel: „Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner.“ Die Königin wurde sehr wütend und eifersüchtig. Sie befahl einem Jäger, Schneewittchen in den Wald zu bringen und zu töten. Der Jäger hatte Mitleid. Er ließ Schneewittchen laufen und sagte ihr, sie solle nie zurückkommen.

Schneewittchen lief lange durch den Wald. Am Abend fand sie ein kleines Haus. Es gehörte sieben Zwergen. Sie waren freundlich und ließen Schneewittchen bei sich wohnen. Schneewittchen kochte, putzte und blieb im Haus, während die Zwerge arbeiteten.

Die böse Königin fragte wieder ihren Spiegel. Er sagte, dass Schneewittchen noch lebte. Die Königin verkleidete sich als alte Frau und ging zu den Zwergen. Sie gab Schneewittchen einen giftigen Apfel. Schneewittchen biss hinein und fiel zu Boden. Die Zwerge waren traurig und legten sie in einen gläsernen Sarg.

Eines Tages kam ein Prinz vorbei. Er sah Schneewittchen und fand sie wunderschön. Die Diener trugen den Sarg. Dabei rutschte ein Stück Apfel aus Schneewittchens Hals. Sie wachte wieder auf. Der Prinz freute sich sehr und fragte Schneewittchen, ob sie mit ihm kommen wolle. Schneewittchen sagte ja.

Der Prinz und Schneewittchen heirateten und lebten glücklich. Die böse Königin aber bekam ihre Strafe.




Rotkäppchen

Es war einmal ein kleines Mädchen. Alle Leute nannten sie Rotkäppchen, weil sie immer eine rote Kappe trug. Diese Kappe hatte ihre Großmutter für sie genäht. Rotkäppchen liebte ihre Großmutter sehr, und die Großmutter liebte sie auch.

Eines Tages sagte die Mutter zu Rotkäppchen, dass die Großmutter krank sei. Rotkäppchen sollte ihr einen Korb bringen. In dem Korb waren Kuchen und eine Flasche Wein. Die Mutter sagte: „Geh schön langsam und bleib auf dem Weg. Sprich nicht mit fremden Leuten.“ Rotkäppchen versprach es.

Rotkäppchen machte sich auf den Weg durch den Wald. Der Wald war ruhig und schön. Die Vögel sangen, und die Sonne schien durch die Bäume. Nach einer Weile traf Rotkäppchen einen Wolf. Sie wusste nicht, dass der Wolf gefährlich war. Der Wolf fragte freundlich: „Wohin gehst du?“ Rotkäppchen antwortete: „Ich gehe zu meiner Großmutter. Sie wohnt im Haus hinter den drei großen Eichen.“

Der Wolf hatte einen bösen Plan. Er sagte: „Schau mal, wie schön die Blumen hier sind. Willst du nicht ein paar für deine Großmutter pflücken?“ Rotkäppchen dachte, das sei eine gute Idee. Sie verließ den Weg und suchte Blumen. Der Wolf aber lief schnell zum Haus der Großmutter.

Der Wolf klopfte an die Tür. Die Großmutter dachte, es sei Rotkäppchen, und sagte: „Komm herein.“ Der Wolf sprang ins Zimmer, verschluckte die Großmutter und zog ihre Kleidung an. Dann legte er sich ins Bett und wartete.

Als Rotkäppchen später ankam, wunderte sie sich. Die Großmutter sah anders aus. Sie sagte: „Großmutter, warum hast du so große Augen?“ Der Wolf antwortete: „Damit ich dich besser sehen kann.“ „Großmutter, warum hast du so große Ohren?“ – „Damit ich dich besser hören kann.“ „Großmutter, warum hast du so große Zähne?“ – „Damit ich dich besser fressen kann!“

Der Wolf sprang aus dem Bett und verschluckte auch Rotkäppchen. Zum Glück kam ein Jäger vorbei. Er hörte den Wolf schnarchen und ging ins Haus. Er schnitt dem Wolf den Bauch auf. Rotkäppchen und die Großmutter kamen heraus und waren gerettet. Sie füllten den Bauch des Wolfs mit Steinen. Als der Wolf aufwachte, konnte er nicht mehr laufen und starb.

Rotkäppchen sagte: „Ich gehe nie wieder vom Weg ab.“ Und sie hielt ihr Versprechen.




Aschenputtel

Es war einmal ein Mädchen. Ihr Name war Aschenputtel. Sie lebte mit ihrem Vater, ihrer Stiefmutter und zwei Stiefschwestern in einem Haus. Die Stiefmutter und die Schwestern waren sehr böse. Sie behandelten Aschenputtel schlecht. Aschenputtel musste jeden Tag viel arbeiten. Sie musste kochen, putzen und Wasser holen. Sie hatte keine schönen Kleider und keine Freizeit. Oft saß sie traurig am Herd in der Asche. Deshalb nannten sie alle „Aschenputtel“.

Eines Tages gab es eine Einladung vom König. Er wollte ein großes Fest machen. Sein Sohn, der Prinz, sollte dort eine Frau finden. Die Stiefschwestern freuten sich sehr. Sie wollten unbedingt schön aussehen. Aschenputtel wollte auch zum Fest gehen, aber die Stiefmutter sagte nein. Sie lachte und gab Aschenputtel noch mehr Arbeit.

Als die anderen zum Fest gingen, war Aschenputtel allein. Sie weinte. Da erschien plötzlich ein Vogel auf dem Baum am Grab ihrer Mutter. Aschenputtel hatte dort oft gebetet. Der Vogel brachte ihr ein schönes Kleid und goldene Schuhe. Aschenputtel zog das Kleid an und ging heimlich zum Fest. Niemand erkannte sie.

Auf dem Fest tanzte der Prinz nur mit ihr. Er fand sie sehr schön und freundlich. Die Stiefschwestern waren neidisch, aber sie wussten nicht, dass es Aschenputtel war. Als es spät wurde, lief Aschenputtel schnell weg. Der Prinz wollte sie aufhalten, aber sie war zu schnell. Dabei verlor sie einen goldenen Schuh.

Der Prinz suchte am nächsten Tag das ganze Land ab. Er sagte: „Ich heirate das Mädchen, dem dieser Schuh passt.“ Viele Frauen probierten den Schuh an, aber er war immer zu klein. Auch die Stiefschwestern versuchten es, aber ihre Füße waren zu groß.

Dann fragte der Prinz: „Gibt es noch ein Mädchen im Haus?“ Die Stiefmutter sagte zuerst nein. Doch Aschenputtel kam herunter. Sie war schmutzig und trug alte Kleider. Die Schwestern lachten. Aber Aschenputtel probierte den Schuh an – und er passte perfekt.

Der Prinz erkannte sie wieder. Er nahm Aschenputtel mit in sein Schloss. Bald darauf heirateten sie. Aschenputtel war endlich glücklich. Die bösen Stiefschwestern mussten lernen, freundlich zu sein.

Und so endete die Geschichte gut für Aschenputtel.




Dornröschen

Es war einmal ein König und eine Königin. Sie lebten in einem großen Schloss und waren sehr glücklich, aber sie hatten kein Kind. Viele Jahre wünschten sie sich ein Baby. Eines Tages bekam die Königin endlich eine Tochter. Das ganze Königreich freute sich über das kleine Mädchen. Die Eltern gaben ihr den Namen Röschen, weil sie so schön und zart war wie eine Rose.

Der König machte ein großes Fest. Er lud viele Gäste ein, auch zwölf gute Feen. Jede Fee wollte dem Kind ein Geschenk geben. Eine Fee wünschte dem Kind Schönheit, eine andere Freundlichkeit, eine dritte Glück. So bekam das Kind viele gute Eigenschaften.

Doch plötzlich kam eine dreizehnte Fee in den Saal. Sie war böse, weil der König sie nicht eingeladen hatte. Die böse Fee sprach einen Fluch aus. Sie sagte: „Wenn das Mädchen fünfzehn Jahre alt ist, sticht sie sich an einer Spindel und fällt tot um.“ Alle waren entsetzt. Doch eine gute Fee trat vor und sagte: „Ich kann den Fluch nicht ganz wegnehmen, aber ich kann ihn ändern. Das Mädchen wird nicht sterben. Sie wird nur hundert Jahre schlafen.“

Die Jahre vergingen, und Röschen wuchs zu einem schönen, freundlichen Mädchen heran. Der König hatte alle Spindeln im Land verbieten lassen. Niemand durfte mehr spinnen. Doch an ihrem fünfzehnten Geburtstag ging Röschen allein durch das Schloss. Sie fand eine kleine Treppe, die sie noch nie gesehen hatte. Oben war eine Tür. Dahinter saß eine alte Frau und spann Wolle. Röschen war neugierig und wollte es ausprobieren. Als sie die Spindel berührte, stach sie sich in den Finger und fiel sofort in einen tiefen Schlaf.

Auch der König, die Königin und alle Menschen im Schloss schliefen ein. Um das Schloss wuchs eine dichte Dornenhecke. Sie wurde jedes Jahr höher und stärker. Viele Ritter versuchten, durch die Dornen zu kommen, aber sie schafften es nicht.

Nach hundert Jahren kam ein junger Prinz. Er hörte die Geschichte von Dornröschen und wollte sie sehen. Als er zur Hecke kam, öffnete sie sich von selbst. Der Prinz ging ins Schloss und fand Röschen. Sie sah aus, als würde sie nur ruhig schlafen. Der Prinz beugte sich zu ihr und gab ihr einen Kuss. In diesem Moment wachte Röschen auf. Auch alle anderen Menschen im Schloss wachten wieder auf.

Der Prinz und Dornröschen verliebten sich und feierten bald eine große Hochzeit. Das ganze Königreich freute sich, und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.




Rumpelstilzchen

Es war einmal ein armer Müller. Er hatte eine Tochter, die sehr schön und freundlich war. Der Müller wollte wichtig und klug wirken. Deshalb erzählte er dem König eine große Lüge. Er sagte: „Meine Tochter kann Stroh zu Gold spinnen.“ Der König glaubte ihm und wollte die Tochter sofort sehen.

Der König brachte die Müllerstochter in ein Zimmer voller Stroh. Dort stand ein Spinnrad. Der König sagte streng: „Wenn du bis morgen früh dieses ganze Stroh nicht zu Gold spinnst, musst du sterben.“ Dann schloss er die Tür ab. Die arme Müllerstochter war verzweifelt. Sie konnte natürlich kein Stroh zu Gold machen. Sie weinte und wusste nicht, was sie tun sollte.

Plötzlich öffnete sich die Tür, und ein kleines, seltsames Männchen kam herein. Es hatte eine hohe Stimme und fragte: „Warum weinst du?“ Die Müllerstochter erzählte ihm alles. Das Männchen sagte: „Ich kann dir helfen. Aber was gibst du mir dafür?“ Die Müllerstochter gab ihm ihre Halskette. Das Männchen setzte sich an das Spinnrad und spann das ganze Stroh zu Gold.

Am nächsten Morgen war der König überrascht und sehr zufrieden. Aber er wollte noch mehr Gold. Er brachte die Müllerstochter in ein noch größeres Zimmer mit noch mehr Stroh. Wieder kam das kleine Männchen und spann alles zu Gold. Dieses Mal bekam es den Ring der Müllerstochter.

Am dritten Tag brachte der König sie in ein riesiges Zimmer. Er sagte: „Wenn du das schaffst, wirst du meine Frau.“ Wieder kam das Männchen. Aber die Müllerstochter hatte nichts mehr, was sie ihm geben konnte. Da sagte das Männchen: „Dann gib mir dein erstes Kind, wenn du Königin bist.“ Die Müllerstochter war verzweifelt und stimmte zu.

Sie wurde Königin und bekam später ein Kind. Da kam das Männchen zurück und wollte das Baby holen. Die Königin flehte: „Bitte nimm mein Kind nicht.“ Das Männchen sagte: „Wenn du meinen Namen errätst, darfst du dein Kind behalten.“

Die Königin suchte überall nach Namen. Ein Bote hörte das Männchen im Wald tanzen und singen. Dabei sagte es seinen Namen: Rumpelstilzchen. Die Königin sagte dem Männchen den richtigen Namen. Es wurde wütend und verschwand für immer.

So blieb die Königin glücklich mit ihrem Kind.




Der Froschkönig

Es war einmal eine schöne Prinzessin. Sie lebte mit ihrem Vater, dem König, in einem großen Schloss. Die Prinzessin spielte sehr gern draußen im Wald. Besonders gern spielte sie an einem Brunnen. Dort hatte sie eine goldene Kugel. Diese Kugel war ihr liebstes Spielzeug.

Eines Tages fiel die goldene Kugel in den Brunnen. Die Prinzessin war sehr traurig, weil die Kugel tief im Wasser lag. Sie weinte laut. Plötzlich hörte sie eine Stimme. Ein kleiner Frosch saß am Rand des Brunnens und fragte, warum sie so traurig sei. Die Prinzessin erzählte ihm von der Kugel.

Der Frosch sagte: „Ich kann dir helfen. Ich hole deine Kugel aus dem Brunnen. Aber du musst mir etwas versprechen. Du musst mich liebhaben, mich an deinen Tisch setzen und mich in deinem Bett schlafen lassen.“ Die Prinzessin wollte ihre Kugel unbedingt zurückhaben. Deshalb versprach sie alles, obwohl sie es nicht ernst meinte.

Der Frosch tauchte ins Wasser und brachte die Kugel zurück. Die Prinzessin nahm sie schnell und lief nach Hause. Sie dachte nicht mehr an den Frosch.

Am Abend saß die Prinzessin mit dem König beim Essen. Da klopfte es an die Tür. Der Frosch war gekommen. Er sagte: „Prinzessin, du hast mir etwas versprochen.“ Die Prinzessin erschrak und wollte ihn wegschicken. Doch der König hörte alles. Er sagte streng: „Was du versprochen hast, musst du halten.“

So musste die Prinzessin den Frosch an ihren Tisch setzen. Sie fand das sehr unangenehm. Der Frosch wollte sogar aus ihrem Teller essen. Danach wollte er in ihrem Bett schlafen. Die Prinzessin war wütend. Sie nahm den Frosch und warf ihn gegen die Wand.

In diesem Moment geschah etwas Wunderbares. Der Frosch verwandelte sich in einen schönen Prinzen. Er erklärte der Prinzessin, dass eine böse Hexe ihn verzaubert hatte. Nur wenn eine Prinzessin ihr Versprechen hält, kann der Zauber gebrochen werden.

Die Prinzessin schämte sich ein wenig, aber sie freute sich auch. Der Prinz und die Prinzessin wurden Freunde. Am nächsten Tag kam eine goldene Kutsche. Sie brachte beide in das Königreich des Prinzen. Dort feierten sie ein großes Fest. Später heirateten sie und lebten glücklich zusammen.




Die Bremer Stadtmusikanten

Es war einmal ein alter Esel. Viele Jahre arbeitete er hart auf einem Bauernhof. Jetzt war er alt und schwach. Der Bauer wollte ihn nicht mehr haben. Der Esel hatte Angst und lief weg. Er wollte nach Bremen gehen. Dort wollte er Stadtmusikant werden.

Auf dem Weg traf der Esel einen alten Hund. Der Hund war müde und konnte nicht mehr gut jagen. Sein Herr wollte ihn wegjagen. Der Hund war traurig. Der Esel sagte: „Komm mit mir nach Bremen. Wir machen zusammen Musik.“ Der Hund freute sich und ging mit.

Ein Stück weiter trafen sie eine alte Katze. Die Katze konnte nicht mehr gut Mäuse fangen. Ihre Besitzerin wollte sie nicht mehr. Die Katze weinte. Der Esel und der Hund sagten: „Komm mit uns nach Bremen. Wir werden Stadtmusikanten.“ Die Katze fand die Idee gut und schloss sich ihnen an.

Später kamen sie zu einem Hahn. Der Hahn schrie laut, weil seine Herrin ihn am nächsten Tag kochen wollte. Der Hahn hatte große Angst. Die anderen Tiere sagten: „Komm mit uns. In Bremen wird dir niemand etwas tun.“ Der Hahn flog sofort zu ihnen.

Die vier Tiere gingen zusammen weiter. Am Abend sahen sie ein Haus im Wald. Im Haus brannte Licht. Der Esel schaute durch das Fenster. Er sah Räuber, die am Tisch saßen und viel Essen hatten. Die Tiere hatten großen Hunger und wollten die Räuber vertreiben.

Sie machten einen Plan. Der Esel stellte sich vor das Fenster. Der Hund sprang auf den Esel. Die Katze kletterte auf den Hund. Der Hahn setzte sich ganz oben drauf. Dann machten sie zusammen ein lautes Konzert: Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte.

Die Räuber erschraken sehr. Sie dachten, ein Monster greift sie an. Schnell liefen sie in den Wald. Die Tiere gingen in das Haus und aßen das gute Essen. Danach suchten sie sich einen Platz zum Schlafen.

In der Nacht kam ein Räuber zurück. Er wollte sehen, ob das „Monster“ weg war. Die Katze kratzte ihn, der Hund biss ihn, der Hahn krähte laut und der Esel trat ihn. Der Räuber rannte weg und sagte seinen Freunden, dass ein gefährliches Tier im Haus wohnt.

Die Räuber kamen nie wieder zurück. Die vier Tiere blieben in dem Haus. Sie waren glücklich und wollten nicht mehr nach Bremen gehen. So lebten sie zusammen bis an ihr Lebensende.




Rapunzel

Es war einmal ein Mann und eine Frau. Sie wohnten in einem kleinen Haus neben einem großen Garten. Der Garten gehörte einer bösen Zauberin. Die Frau war schwanger und wollte unbedingt Rapunzeln essen, die im Garten wuchsen. Sie dachte jeden Tag an das Gemüse und wurde sehr traurig. Der Mann liebte seine Frau sehr. Deshalb kletterte er eines Nachts über die Mauer und nahm etwas von den Rapunzeln. Die Zauberin sah ihn und wurde sehr wütend. Sie sagte: „Du darfst die Rapunzeln nehmen, aber du musst mir euer Kind geben.“ Der Mann hatte große Angst und versprach es.

Als das Baby geboren wurde, kam die Zauberin und nahm das Mädchen mit. Sie nannte es Rapunzel. Rapunzel wurde ein schönes Mädchen mit sehr langen, goldenen Haaren. Als sie zwölf Jahre alt war, brachte die Zauberin sie in einen hohen Turm. Der Turm hatte keine Tür und keine Treppe. Nur ein kleines Fenster war oben. Wenn die Zauberin zu Rapunzel wollte, rief sie: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter.“ Dann ließ Rapunzel ihr langes Haar aus dem Fenster, und die Zauberin kletterte hinauf.

Eines Tages ritt ein junger Prinz durch den Wald. Er hörte Rapunzel singen. Ihre Stimme war sehr schön. Der Prinz wollte sie sehen, aber er fand keinen Eingang zum Turm. Er versteckte sich und beobachtete die Zauberin. Als sie rief: „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“, verstand er, wie er hinaufkommen konnte.

Am nächsten Tag rief der Prinz die gleichen Worte. Rapunzel ließ ihr Haar herunter, und der Prinz kletterte hinauf. Rapunzel erschrak zuerst, aber der Prinz war freundlich. Sie sprachen lange miteinander und verliebten sich. Der Prinz wollte Rapunzel mitnehmen, aber sie wusste nicht, wie sie aus dem Turm fliehen konnte. Sie sagte: „Bring mir jeden Tag ein Stück Seil. Ich flechte daraus eine Leiter.“

Doch die Zauberin bemerkte den Plan. Sie schnitt Rapunzel die Haare ab und brachte sie weit weg in eine Wüste. Als der Prinz kam, ließ die Zauberin die abgeschnittenen Haare herunter. Der Prinz kletterte hinauf und fand nur die Zauberin. Er sprang verzweifelt aus dem Turm und wurde blind.

Lange Zeit wanderte er blind durch die Welt. Eines Tages hörte er Rapunzels Stimme. Sie weinte vor Freude. Zwei Tränen fielen auf seine Augen, und plötzlich konnte er wieder sehen. Der Prinz nahm Rapunzel mit in sein Königreich. Dort lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage.




Der Wolf und die sieben Geißlein

Es war einmal eine Ziegenmutter, die hatte sieben kleine Geißlein. Sie lebten zusammen in einem kleinen, gemütlichen Haus im Wald. Die Mutter liebte ihre Kinder sehr und passte gut auf sie auf. Eines Tages musste sie in den Wald gehen, um Futter zu holen. Bevor sie ging, sagte sie zu den Geißlein:
„Kinder, macht die Tür nicht auf. Der
böse Wolf will euch fressen. Ihr erkennt ihn an seiner rauen Stimme und an seinen schwarzen Pfoten.“

Die Geißlein versprachen, vorsichtig zu sein. Die Mutter ging weg, und die Geißlein spielten im Haus.

Nach kurzer Zeit klopfte es an der Tür. Eine Stimme sagte: „Macht auf, meine lieben Kinder. Eure Mutter ist wieder da.“
Aber die Geißlein hörten sofort, dass die Stimme
rau war. Sie riefen: „Du bist nicht unsere Mutter. Sie hat eine sanfte Stimme. Du bist der Wolf!“
Der Wolf wurde wütend und ging zum Bäcker. Dort aß er
Honig, damit seine Stimme weicher wurde.

Dann kam er wieder zum Haus und klopfte erneut. Diesmal war seine Stimme sanft. Die Geißlein wollten schon öffnen, aber sie sahen durch die Tür seine schwarzen Pfoten. „Unsere Mutter hat keine schwarzen Pfoten. Du bist der Wolf!“ riefen sie.
Der Wolf lief zum Müller und ließ sich die Pfoten
weiß machen.

Beim dritten Versuch glaubten die Geißlein, dass es wirklich ihre Mutter sei. Sie öffneten die Tür – und der Wolf sprang hinein. Die Geißlein erschraken und versteckten sich. Doch der Wolf fand sechs von ihnen und fraß sie. Nur das jüngste Geißlein konnte sich im Uhrenkasten verstecken.

Als die Mutter zurückkam, sah sie die offene Tür und das Chaos. Das jüngste Geißlein erzählte ihr alles. Die Mutter weinte, aber dann ging sie mit dem kleinen Geißlein hinaus und suchte den Wolf. Sie fanden ihn schlafend unter einem Baum. Sein Bauch war dick, weil die Geißlein darin waren.

Die Mutter schnitt vorsichtig den Bauch des Wolfs auf. Die sechs Geißlein sprangen lebendig heraus. Dann füllten sie den Bauch des Wolfs mit Steinen und nähten ihn wieder zu.

Als der Wolf aufwachte, hatte er großen Durst. Er ging zum Brunnen, aber die Steine waren so schwer, dass er hineinfiel und ertrank.

Die Ziegenmutter und ihre sieben Geißlein waren wieder glücklich und lebten sicher zusammen.




Frau Holle

Es war einmal eine Witwe. Sie hatte zwei Töchter. Eine Tochter war fleißig und freundlich. Sie war die Stieftochter. Die andere Tochter war faul und unfreundlich. Sie war die richtige Tochter der Witwe. Die Mutter liebte nur ihre eigene Tochter und behandelte die Stieftochter sehr schlecht. Das Mädchen musste jeden Tag viel arbeiten. Sie musste spinnen, kochen, putzen und Wasser holen.

Eines Tages saß das Mädchen am Brunnen und spann Wolle. Ihre Finger taten weh, und sie bluteten. Ein Tropfen Blut fiel auf die Spule. Das Mädchen wollte die Spule im Brunnen waschen, aber sie fiel hinein. Das Mädchen hatte große Angst, weil die Mutter sehr streng war. Deshalb sprang sie hinterher.

Als sie wieder die Augen öffnete, war sie in einer schönen, grünen Wiese. Die Sonne schien warm, und die Vögel sangen. Das Mädchen ging ein Stück und kam zu einem Brotbackofen. Das Brot rief: „Zieh mich heraus, ich verbrenne!“ Das Mädchen nahm das Brot heraus. Dann kam sie zu einem Apfelbaum. Die Äpfel riefen: „Schüttel uns, wir sind reif!“ Das Mädchen schüttelte den Baum und sammelte alle Äpfel auf.

Schließlich kam sie zu einem kleinen Haus. Eine alte Frau mit großen Zähnen stand vor der Tür. Das Mädchen hatte Angst, aber die Frau sagte freundlich: „Ich bin Frau Holle. Wenn du bei mir arbeitest, wird es dir gut gehen.“ Das Mädchen blieb bei Frau Holle. Sie arbeitete fleißig: Sie machte das Bett, schüttelte die Kissen und Decken, sodass es auf der Erde schneite. Frau Holle war sehr zufrieden.

Nach einiger Zeit bekam das Mädchen Heimweh. Frau Holle verstand das und brachte sie zu einem großen Tor. Als das Mädchen hindurchging, fiel Gold auf sie herab. Sie war nun das Goldmariechen. Zu Hause freute sich die Mutter sehr und wollte, dass auch ihre faule Tochter reich wird.

Die faule Tochter sprang ebenfalls in den Brunnen. Aber sie half dem Brot nicht und schüttelte die Äpfel nicht. Bei Frau Holle arbeitete sie schlecht. Als sie nach Hause ging, fiel kein Gold auf sie, sondern Pech. Sie wurde schwarz und klebrig. Das Pech ging nie wieder ab.

So bekam die fleißige Tochter ein gutes Leben, und die faule Tochter lernte eine wichtige Lektion.




Der gestiefelte Kater

Es war einmal ein Müller, der drei Söhne hatte. Als der Müller starb, bekamen die Söhne sein Erbe. Der älteste Sohn bekam die Mühle, der zweite Sohn bekam den Esel, und der jüngste Sohn bekam nur einen Kater. Der jüngste Sohn war sehr traurig. Er dachte, dass er mit einem Kater nicht leben konnte. Aber der Kater war sehr klug und konnte sprechen. Er sagte zu seinem neuen Herrn: „Gib mir ein Paar Stiefel und einen Sack. Dann kann ich dir helfen.“

Der junge Mann war überrascht, aber er kaufte dem Kater Stiefel. Der Kater zog die Stiefel an, nahm den Sack und ging in den Wald. Dort fing er Kaninchen und Rebhühner. Er brachte die Tiere zum König und sagte: „Diese Geschenke kommen von meinem Herrn, dem Grafen von Carabas.“ Der König freute sich sehr über die Geschenke.

Eines Tages sagte der Kater zu seinem Herrn: „Geh zum Fluss und bade dort. Ich werde dir helfen.“ Der junge Mann tat, was der Kater sagte. Als der König mit seiner Kutsche vorbeikam, rief der Kater laut: „Hilfe! Der Graf von Carabas wurde bestohlen! Seine Kleider sind weg!“ Der König ließ sofort neue, schöne Kleider bringen. Der junge Mann sah nun wie ein echter Graf aus. Die Königstochter fand ihn sehr freundlich und schön.

Der Kater lief weiter und kam zu einem großen Schloss. Dort wohnte ein böser Zauberer. Der Zauberer konnte sich in jedes Tier verwandeln. Der Kater fragte ihn: „Stimmt es, dass du dich in einen Löwen verwandeln kannst?“ Der Zauberer zeigte es und wurde ein großer Löwe. Der Kater hatte Angst, aber er fragte weiter: „Kannst du dich auch in eine kleine Maus verwandeln?“ Der Zauberer lachte und verwandelte sich in eine Maus. Schnell sprang der Kater auf ihn und fraß ihn auf.

Jetzt gehörte das Schloss dem jungen Mann. Der König kam vorbei und sah das schöne Schloss. Er dachte, dass der Graf von Carabas ein reicher und guter Mann sei. Die Königstochter mochte ihn sehr, und bald heirateten sie. Der Kater bekam ein eigenes Zimmer im Schloss und musste nie wieder jagen. Er lebte glücklich und zufrieden.




Schneewittchen und Rosenrot

Es war einmal eine arme Witwe, die in einem kleinen Haus am Rand eines großen Waldes lebte. Sie hatte zwei Töchter. Die eine hieß Schneewittchen, weil ihre Haut so hell war wie Schnee. Die andere hieß Rosenrot, weil sie rote Wangen hatte wie eine Rose. Die beiden Mädchen waren sehr freundlich, fleißig und mutig. Sie liebten die Natur und halfen ihrer Mutter jeden Tag im Haus und im Garten.

Die Schwestern waren sehr verschieden, aber sie verstanden sich gut. Schneewittchen war ruhig und sanft. Sie blieb gern zu Hause, las oder half im Haushalt. Rosenrot war lebhaft und neugierig. Sie ging gern in den Wald, kletterte auf Bäume und spielte mit den Tieren. Trotzdem waren sie immer zusammen und teilten alles.

Eines Winterabends klopfte es plötzlich an der Tür. Die Mädchen erschraken, denn es war schon dunkel. Als sie öffneten, stand dort ein großer Bär. Er war freundlich und sagte, er brauche einen warmen Platz für die Nacht. Die Mutter hatte Mitleid und ließ ihn hinein. Der Bär blieb den ganzen Winter bei ihnen. Die Mädchen spielten mit ihm, und er wurde ihr guter Freund.

Als der Frühling kam, musste der Bär wieder in den Wald. Er sagte, er müsse seinen Schatz vor einem bösen Zwerg schützen. Die Mädchen waren traurig, aber sie verstanden es.

Im Sommer trafen Schneewittchen und Rosenrot tatsächlich den Zwerg. Er war klein, böse und sehr unfreundlich. Mehrmals brauchten sie seine Hilfe: Einmal war sein Bart in einem Baumstamm festgeklemmt, ein anderes Mal in einer Angelschnur. Die Mädchen retteten ihn immer, aber der Zwerg dankte ihnen nie.

Eines Tages griff ein großer Bär den Zwerg an. Der Zwerg schrie und bat um Hilfe, aber der Bär schlug ihn mit einem Tatzenhieb. Da verwandelte sich der Bär plötzlich in einen schönen Prinzen. Der Zwerg hatte ihn verzaubert, um seinen Schatz zu stehlen. Durch den Tod des Zwergs war der Zauber gebrochen.

Der Prinz verliebte sich in Schneewittchen, und sein Bruder, der später kam, verliebte sich in Rosenrot. Die beiden Schwestern heirateten die Brüder und lebten glücklich in einem großen Schloss. Auch die Mutter durfte mit ihnen dort wohnen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.




Tischlein deck dich

Es war einmal ein armer Schneider, der drei Söhne hatte. Der Schneider arbeitete sehr viel, aber er verdiente nur wenig Geld. Eines Tages hatte er kein Essen mehr im Haus. Deshalb sagte er zu seinen Söhnen, dass sie in die Welt gehen sollen, um Arbeit zu finden. Die drei Brüder waren traurig, aber sie wollten dem Vater helfen. So gingen sie los, jeder in eine andere Richtung.

Der älteste Sohn kam zu einem Mann, der Tischler war. Er lernte dort fleißig und wurde ein guter Arbeiter. Als er seine Ausbildung beendet hatte, bekam er ein besonderes Geschenk: ein kleines Tischchen. Der Meister sagte: „Wenn du sagst Tischlein, deck dich, dann kommen sofort gutes Essen und Trinken auf den Tisch.“ Der Sohn war sehr glücklich und machte sich auf den Weg nach Hause.

Unterwegs übernachtete er in einer Gastwirtschaft. Der Wirt war neugierig und wollte wissen, warum der junge Mann so fröhlich war. Der Sohn zeigte ihm das Tischlein. Der Wirt war überrascht und dachte: „So ein Tisch ist viel wert.“ In der Nacht nahm er das Zaubertischlein weg und stellte ein normales Tischchen hin. Der Sohn merkte nichts und ging am nächsten Tag weiter.

Zu Hause wollte er seinem Vater zeigen, was er gelernt hatte. Er sagte stolz: „Tischlein, deck dich.“ Aber nichts passierte. Der Vater war enttäuscht, und der Sohn ging traurig wieder fort.

Der zweite Sohn lernte bei einem Müller. Am Ende bekam er einen Esel, der Goldstücke machte, wenn man „Bricklebrit“ sagte. Auch dieser Sohn übernachtete beim gleichen Wirt. Der Wirt stahl auch diesen Esel und gab dem Sohn einen normalen Esel. Zu Hause wollte der Sohn seinem Vater das Gold zeigen, aber es funktionierte nicht. Der Vater wurde wieder enttäuscht.

Der jüngste Sohn lernte bei einem Drechsler. Er bekam einen besonderen Knüppel in einem Sack. Wenn man „Knüppel, aus dem Sack“ sagte, sprang der Knüppel heraus und schlug jeden Bösewicht. Der Wirt wollte auch dieses Geschenk stehlen, aber diesmal rief der Sohn: „Knüppel, aus dem Sack.“ Der Knüppel schlug den Wirt, bis er die gestohlenen Sachen zurückgab.

Am Ende brachte der jüngste Sohn das Tischlein und den Goldesel nach Hause. Der Vater war glücklich, und die Familie lebte von nun an ohne Sorgen.




Die goldene Gans

Es war einmal ein junger Mann. Er hieß Dummling. Seine zwei Brüder waren stark und klug, aber sie waren oft gemein zu ihm. Dummling musste immer die schwere Arbeit machen. Eines Tages wollte der älteste Bruder in den Wald gehen, um Holz zu holen. Seine Mutter gab ihm einen guten Kuchen und Wein. Im Wald traf er einen alten Mann. Der Mann bat um etwas zu essen und zu trinken. Aber der Bruder war unfreundlich und jagte ihn weg. Danach konnte er kein Holz hacken, weil seine Axt kaputtging.

Am nächsten Tag ging der zweite Bruder in den Wald. Auch er bekam Kuchen und Wein. Er traf denselben alten Mann. Der Mann bat wieder um etwas zu essen und zu trinken. Aber auch der zweite Bruder war unfreundlich. Und auch seine Axt ging kaputt.

Dann wollte Dummling in den Wald gehen. Seine Mutter hatte keinen Kuchen mehr. Sie gab ihm nur ein kleines Stück alten Brotes und Wasser. Dummling traf den alten Mann und war freundlich. Er gab ihm sein Brot und sein Wasser. Der alte Mann freute sich und sagte: „Weil du freundlich bist, will ich dir helfen.“ Er zeigte Dummling einen Baum. „Fälle diesen Baum. Darin findest du etwas Besonderes.“

Dummling fällte den Baum und fand darin eine goldene Gans. Die Gans glänzte hell wie die Sonne. Dummling nahm sie mit in ein Gasthaus. Die Töchter des Wirtes wollten die Gans heimlich anfassen, weil sie so schön war. Aber die Gans war verzaubert. Wer sie berührte, blieb daran kleben. Eine Tochter fasste die Gans an und klebte fest. Dann kam die zweite Tochter, dann die dritte. Alle klebten aneinander.

Dummling ging weiter durch das Land. Die drei Mädchen mussten hinter ihm herlaufen. Unterwegs kamen noch mehr Leute dazu, weil sie neugierig waren und die Gans anfassen wollten. Bald folgte ihm eine ganze Gruppe, die alle zusammenklebten.

Im Königreich lebte eine Prinzessin, die nie lachte. Der König sagte: „Wer meine Tochter zum Lachen bringt, darf sie heiraten.“ Als Dummling mit der langen Reihe von Menschen vorbeikam, musste die Prinzessin laut lachen. So etwas Lustiges hatte sie noch nie gesehen.

Der König wollte Dummling trotzdem nicht als Schwiegersohn. Er gab ihm drei schwere Aufgaben. Doch der alte Mann aus dem Wald half Dummling wieder. So schaffte Dummling alle Aufgaben.

Am Ende durfte er die Prinzessin heiraten. Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.




Der Teufel mit den drei goldenen Haaren

Es war einmal ein Junge, der an einem Sonntag geboren wurde. Die Leute sagten, dass ein Sonntagskind Glück bringt. Ein alter Mann erzählte sogar, dass dieses Kind später die Tochter des Königs heiraten würde. Als der König das hörte, wurde er sehr wütend. Er wollte nicht, dass ein armer Junge seine Tochter bekommt. Deshalb nahm er das Baby heimlich mit und warf es in einen Fluss. Doch das Kind ertrank nicht. Es schwamm in einem kleinen Korb weiter und wurde von einer Müllerin gefunden. Sie nahm den Jungen mit nach Hause und zog ihn groß.

Viele Jahre später kam der König wieder in das Dorf. Er sah den Jungen und erkannte ihn. Er wollte ihn immer noch loswerden. Also schickte er ihn mit einem Brief zur Königin. In dem Brief stand, dass der Junge sofort getötet werden sollte. Der Junge wusste nichts davon und machte sich auf den Weg. Unterwegs traf er Räuber. Sie öffneten den Brief und sahen die böse Nachricht. Sie hatten Mitleid und schrieben einen neuen Brief. Darin stand, dass der Junge die Prinzessin heiraten sollte. Die Königin las den Brief und freute sich. Als der König zurückkam, war die Hochzeit schon vorbei.

Der König war sehr ärgerlich. Er sagte, der Junge müsse zuerst eine schwere Aufgabe lösen. Er sollte drei goldene Haare vom Teufel holen. Der Junge machte sich mutig auf den Weg. Unterwegs kam er in drei Städte. In jeder Stadt gab es ein Problem: ein Brunnen ohne Wasser, einen Baum ohne Früchte und einen Fährmann, der immer arbeiten musste. Der Junge versprach, Antworten zu bringen.

Beim Teufel versteckte ihn die Großmutter des Teufels. Als der Teufel schlief, zog sie ihm nacheinander drei goldene Haare aus. Dabei fragte sie ihn die drei Fragen. Der Teufel antwortete im Schlaf. So bekam der Junge die Lösungen.

Auf dem Rückweg gab er den Städten die Antworten. Alle waren glücklich und gaben ihm Geschenke. Als er zum König zurückkam, war er reich. Der König wollte selbst die Schätze holen, fuhr aber zum Fährmann – und musste für immer dessen Arbeit übernehmen.

Der Junge und die Prinzessin lebten glücklich zusammen.




Die sieben Raben

Es war einmal ein Mann und eine Frau. Sie hatten viele Kinder. Sie hatten sieben Söhne, und später bekamen sie noch ein kleines Mädchen. Das Mädchen war sehr klein und schwach. Die Eltern machten sich große Sorgen. Sie hofften, dass das Mädchen gesund wird.

Eines Tages wollten die Eltern das Mädchen taufen. Die sieben Brüder sollten Wasser aus dem Brunnen holen. Die Jungen liefen schnell los, aber sie stritten unterwegs. Am Brunnen fiel der Krug in den tiefen Brunnen. Die Brüder hatten Angst, nach Hause zu gehen, weil sie kein Wasser hatten.

Die Eltern warteten lange. Sie wurden ungeduldig und dachten, die Jungen seien faul. Der Vater wurde sehr wütend und rief: „Ich wünsche, dass die Jungen zu Raben werden!“ Kaum hatte er das gesagt, verwandelten sich die sieben Brüder in schwarze Raben und flogen davon. Die Eltern waren traurig, aber sie konnten den Wunsch nicht zurücknehmen.

Das kleine Mädchen wuchs heran. Es war freundlich und fleißig. Eines Tages hörte es, dass es sieben Brüder hatte. Die Eltern erzählten die Wahrheit. Das Mädchen war sehr traurig und wollte die Brüder retten. Es beschloss, sie zu suchen.

Das Mädchen nahm einen Ring, ein Stück Brot, einen Krug Wasser und einen kleinen Stuhl mit. Es wanderte viele Tage. Es ging durch Wälder und über Berge. Schließlich kam es zur Sonne. Die Sonne war heiß und gefährlich. Das Mädchen lief schnell weiter. Dann kam es zum Mond. Der Mond war kalt und unheimlich. Auch dort blieb es nicht lange. Danach kam es zu den Sternen. Die Sterne waren freundlich und gaben dem Mädchen einen kleinen Zauberschlüssel.

Mit dem Schlüssel kam das Mädchen zum Glasberg. Dort lebten die sieben Raben. Vor der Tür lag ein großes Tor. Das Mädchen öffnete es mit dem Zauberschlüssel. Drinnen sah es einen Tisch mit sieben Tellern und sieben Bechern. Das Mädchen legte seinen Ring in einen der Becher.

Als die Raben nach Hause kamen, wollten sie trinken. Einer fand den Ring und rief: „Das ist der Ring unserer Schwester!“ In diesem Moment verwandelten sich die Raben wieder in Menschen. Die Brüder waren frei.

Sie umarmten ihre Schwester und gingen glücklich nach Hause. Die Familie war wieder vereint und lebte zufrieden weiter.




Brüderchen und Schwesterchen

Brüderchen und Schwesterchen leben zusammen in einem kleinen Haus. Ihre Mutter ist gestorben, und der Vater hat eine neue Frau geheiratet. Diese Stiefmutter ist böse und gemein. Sie behandelt die beiden Kinder schlecht. Eines Tages sagt Brüderchen: „Ich halte es hier nicht mehr aus. Lass uns in den Wald gehen.“ Schwesterchen nickt, und sie laufen zusammen weg.

Im Wald scheint die Sonne, und die Vögel singen. Die Kinder fühlen sich frei. Aber die böse Stiefmutter ist eine Hexe. Sie sieht, dass die Kinder weggelaufen sind, und verzaubert die Wasserquellen im Wald. Brüderchen hat großen Durst. Er hört ein Bächlein rauschen und will trinken. Schwesterchen sagt: „Trink nicht! Vielleicht ist das Wasser verzaubert.“ Brüderchen hört auf sie und geht weiter.

Dann hören sie ein zweites Bächlein. Wieder will Brüderchen trinken, aber Schwesterchen warnt ihn. Sie gehen weiter, doch Brüderchen wird immer durstiger. Beim dritten Bächlein kann er nicht mehr warten. Er trinkt, obwohl Schwesterchen ruft: „Bitte nicht!“ Sofort verwandelt er sich in ein kleines Reh. Schwesterchen weint, aber sie bleibt bei ihm. Sie baut eine kleine Hütte im Wald, und dort leben sie zusammen. Jeden Tag geht Schwesterchen hinaus, sammelt Beeren und kümmert sich um das Reh.

Eines Tages kommt der König in den Wald. Er sieht das schöne Reh und will es fangen. Das Reh läuft schnell zur Hütte, und der König folgt ihm. Als er Schwesterchen sieht, ist er überrascht. Sie ist freundlich und schön. Der König verliebt sich in sie und nimmt sie mit in sein Schloss. Das Reh darf mitkommen. Schwesterchen wird Königin, und sie leben glücklich zusammen.

Die böse Stiefmutter erfährt davon und wird wütend. Sie will Schwesterchen töten und ihren Platz einnehmen. Doch ihr Plan wird entdeckt. Der König lässt sie bestrafen. Danach bricht der Zauber. Das Reh verwandelt sich wieder in Brüderchen. Jetzt sind die Geschwister frei und glücklich. Sie bleiben im Schloss und leben ein gutes Leben.




König Drosselbart

Es war einmal ein König, der eine sehr schöne Tochter hatte. Viele Prinzen kamen zu ihm und wollten die Prinzessin heiraten. Aber die Prinzessin war stolz und unfreundlich. Sie lachte über jeden Mann. Ein Prinz war zu dick, ein anderer zu dünn, ein dritter zu alt. Sie machte sich über alle lustig. Besonders ein junger König gefiel ihr nicht. Er hatte einen kleinen Bart, der ein bisschen wie ein Drosselschnabel aussah. Deshalb nannte sie ihn „König Drosselbart“.

Der Vater der Prinzessin wurde sehr traurig und auch wütend. Er sagte: „Du bist zu stolz. Du machst alle Menschen klein. Jetzt musst du den ersten Mann heiraten, der durch unser Tor kommt.“ Die Prinzessin dachte, ihr Vater mache nur einen Scherz. Aber er meinte es ernst.

Am nächsten Morgen kam ein armer Spielmann durch das Tor. Er hatte alte Kleidung und eine kleine Geige. Der König sagte sofort: „Das ist dein Mann.“ Die Prinzessin weinte und bat ihren Vater, die Entscheidung zurückzunehmen. Aber es war zu spät. Sie musste den Spielmann heiraten.

Der Spielmann nahm seine Frau mit in sein kleines Haus. Es war dunkel und schmutzig. Die Prinzessin konnte nicht kochen, nicht nähen und nicht arbeiten. Der Spielmann sagte: „Du musst lernen, wie normale Menschen leben.“ Sie versuchte es, aber alles ging schief. Sie verbrannte das Essen, sie konnte keine Töpfe verkaufen, und sogar die Töpfe, die sie trug, fielen auf die Straße und zerbrachen.

Schließlich musste sie in der Küche eines großen Schlosses arbeiten. Dort trug sie Essen zu den Gästen. Eines Tages gab es ein großes Fest. Die Prinzessin brachte einen Teller in den Saal. Als sie hineinging, sah sie den jungen König, über den sie früher gelacht hatte. Es war König Drosselbart. Sie schämte sich sehr.

Dann stand der König auf und sagte freundlich: „Ich bin dein Mann. Ich war der Spielmann. Ich wollte dir zeigen, wie schwer das Leben sein kann. Jetzt weißt du, wie Menschen fühlen, über die man lacht.“ Die Prinzessin weinte, aber diesmal vor Freude. Sie sagte: „Ich habe gelernt. Ich möchte freundlich sein.“

Der König nahm sie in die Arme, und sie feierten ein großes Fest. Von diesem Tag an war die Prinzessin nicht mehr stolz. Sie wurde eine gute und liebevolle Königin.




Die kluge Else

Es war einmal ein Mädchen. Sie hieß Else. Alle Leute sagten: „Else ist sehr klug.“ Ihre Eltern glaubten das auch. Sie wollten, dass Else einen guten Mann findet. Eines Tages kam ein junger Mann namens Hans. Er wollte Else heiraten. Die Eltern freuten sich und sagten: „Else ist klug. Sie wird eine gute Frau sein.“ Hans glaubte das und heiratete sie.

Nach der Hochzeit sagte Hans: „Else, geh aufs Feld und arbeite. Wir brauchen Korn für den Winter.“ Else ging los, aber sie war schnell müde. Sie setzte sich hin und dachte lange nach. Sie dachte so viel, dass sie einschlief. Als Hans kam, sah er, dass Else nichts getan hatte. Er war nicht zufrieden, aber er sagte nichts.

Am nächsten Tag sagte Hans: „Else, geh in den Keller und hole Bier.“ Else ging in den Keller. Dort sah sie eine Spitzhacke an der Wand. Sie dachte: „Wenn ich einmal ein Kind habe, und das Kind kommt in den Keller, dann fällt die Spitzhacke herunter und tötet es.“ Else bekam große Angst. Sie setzte sich hin und weinte laut.

Andere Leute hörten sie und kamen in den Keller. Sie fragten: „Else, warum weinst du?“ Else erzählte ihre Geschichte. Die Leute lachten und sagten: „Else, du denkst zu viel.“ Aber Else weinte weiter.

Hans hörte das und wurde sehr wütend. Er sagte: „Else, du bist nicht klug. Du bist dumm.“ Else war traurig. Hans wollte, dass sie sich bessert. Er sagte: „Else, setz dich hierhin und sei still.“ Else setzte sich hin, aber sie konnte nicht still sein. Sie stand auf, lief herum und machte viele Geräusche.

Hans sagte: „Wenn du nicht still sein kannst, dann geh weg.“ Else lief aus dem Haus und rannte durch das ganze Dorf. Die Leute fragten: „Wer ist das?“ Hans antwortete: „Das ist meine Frau, die kluge Else.“ Die Leute lachten, denn sie sahen, dass Else gar nicht so klug war.

Am Ende lief Else immer weiter. Niemand weiß, wohin sie ging. Hans blieb allein zurück und dachte: „Vielleicht war Else doch nicht so klug.“




Die Gänsemagd

Es war einmal eine junge Prinzessin. Sie sollte einen Prinzen in einem fernen Königreich heiraten. Ihre Mutter, die Königin, war sehr traurig, weil ihre Tochter weit weggehen musste. Deshalb gab sie ihr viele schöne Dinge mit: goldene Kleider, Schmuck und ein besonderes Pferd. Das Pferd hieß Falada und konnte sogar sprechen. Die Königin gab der Prinzessin auch eine Dienerin mit auf die Reise.

Die Prinzessin und die Dienerin ritten los. Nach einiger Zeit wurde die Dienerin böse. Sie wollte nicht mehr der Prinzessin dienen. Sie befahl der Prinzessin, ihre schönen Kleider auszuziehen und einfache Kleidung anzuziehen. Die Dienerin setzte sich selbst auf Falada und zwang die Prinzessin, ihr zu Fuß zu folgen. Die Prinzessin hatte Angst und wusste nicht, was sie tun sollte.

Als sie im fremden Königreich ankamen, sagte die Dienerin, sie sei die echte Prinzessin. Der Prinz glaubte ihr. Die echte Prinzessin musste als einfache Gänsemagd arbeiten. Sie musste jeden Tag mit einem Jungen namens Kürdchen die Gänse hüten. Niemand wusste, wer sie wirklich war.

Die falsche Prinzessin hatte Angst, dass Falada die Wahrheit sagen könnte. Deshalb befahl sie, das Pferd zu töten. Der Kopf von Falada wurde an ein Tor gehängt. Jeden Morgen ging die Gänsemagd unter dem Tor hindurch und sprach mit Falada. Der Pferdekopf antwortete ihr und nannte sie „junge Königin“. Nur Kürdchen hörte das und wunderte sich.

Kürdchen erzählte dem König, dass die Gänsemagd mit einem sprechenden Pferdekopf rede. Der König fand das seltsam und beobachtete die Gänsemagd heimlich. Er sah, dass sie sehr traurig war. Er fragte sie nach ihrer Geschichte, aber sie durfte niemandem die Wahrheit sagen. Deshalb erzählte sie ihre Geschichte einem Ofen, weil sie dachte, der Ofen könne niemandem etwas verraten. Doch der König hörte alles.

Der König erkannte, dass die Dienerin gelogen hatte. Er erzählte dem Prinzen die Wahrheit. Die falsche Prinzessin wurde bestraft, und die echte Prinzessin bekam ihre schönen Kleider zurück. Der Prinz war froh, die richtige Braut gefunden zu haben. Bald feierten sie eine große Hochzeit. Die Gänsemagd wurde wieder Prinzessin und lebte glücklich mit dem Prinzen.




Die drei kleinen Männlein im Walde

Es war einmal ein Mann, der hatte eine Tochter. Die Mutter des Mädchens war gestorben. Nach einiger Zeit heiratete der Mann eine neue Frau. Diese Frau hatte auch eine Tochter. Die Stieftochter war faul und böse, aber die eigene Tochter des Mannes war fleißig, freundlich und schön. Die Stiefmutter mochte das Mädchen nicht. Sie war eifersüchtig und wollte nur ihrer eigenen Tochter helfen.

Eines Tages schickte die Stiefmutter das gute Mädchen in den Wald. Sie gab ihr ein Kleid aus Papier und ein Stück trockenes Brot. Sie hoffte, dass das Mädchen im Wald erfrieren oder verhungern würde. Das Mädchen ging lange durch den kalten Schnee. Schließlich kam sie zu einem kleinen Haus. In dem Haus wohnten drei kleine Männlein.

Die Männlein sahen das Mädchen und sagten: „Du kannst hereinkommen und dich wärmen. Aber zuerst musst du den Schnee vor unserer Tür fegen.“ Das Mädchen tat es sofort und freundlich. Danach gaben die Männlein ihr etwas zu essen. Das Mädchen teilte ihr Brot mit ihnen, obwohl sie selbst sehr hungrig war.

Die drei Männlein waren beeindruckt von ihrer Güte. Sie sagten: „Wir wollen dich belohnen.“ Der Erste sagte: „Du wirst jeden Tag schöner werden.“ Der Zweite sagte: „Wenn du sprichst, fallen dir Goldstücke aus dem Mund.“ Der Dritte sagte: „Du wirst einen König heiraten.“

Das Mädchen ging nach Hause. Als sie sprach, fielen wirklich Goldstücke aus ihrem Mund. Die Stiefmutter war überrascht und wollte, dass ihre eigene Tochter auch so reich wird. Sie schickte die faule Tochter in den Wald. Aber das Mädchen war unfreundlich zu den Männlein und wollte nicht helfen. Deshalb gaben sie ihr drei Strafen: Sie wird jeden Tag hässlicher, aus ihrem Mund fallen Schlangen, und sie wird nie einen guten Mann finden.

Später traf der König das gute Mädchen. Er sah, wie freundlich und schön sie war, und er sah die Goldstücke. Er verliebte sich in sie und heiratete sie. Die böse Stiefmutter und ihre Tochter wurden neidisch und wütend. Am Ende aber bekamen sie die Strafe, die sie verdienten, und das gute Mädchen lebte glücklich mit dem König.




Der Eisenhans

Es war einmal ein König, der in einem großen Wald lebte. In diesem Wald passierten viele seltsame Dinge. Eines Tages verschwand ein Jäger. Dann verschwand ein zweiter Jäger. Auch ein dritter Jäger kam nicht zurück. Der König wurde sehr besorgt. Er schickte viele Männer in den Wald, um herauszufinden, was dort los war.

Die Männer fanden einen tiefen See. Im See lebte ein wilder Mann mit brauner Haut und langen Haaren. Die Männer fingen den wilden Mann und brachten ihn zum Schloss. Der König sperrte ihn in einen Käfig. Die Menschen nannten ihn Eisenhans, weil seine Haut so hart wie Eisen war.

Der kleine Prinz war neugierig. Er wollte den wilden Mann sehen. Eisenhans sagte zum Prinzen: „Wenn du mich frei lässt, helfe ich dir.“ Der Prinz öffnete den Käfig. Eisenhans lief sofort in den Wald. Der König war sehr wütend und der Prinz musste das Schloss verlassen.

Der Prinz ging allein in die Welt. Nach einiger Zeit traf er Eisenhans wieder. Eisenhans sagte: „Du darfst bei mir bleiben und arbeiten. Aber du musst gut aufpassen.“ Der Prinz sollte einen goldenen Brunnen bewachen. Er durfte das Wasser nicht berühren. Doch eines Tages fiel ihm eine Haarsträhne ins Wasser und wurde gold. Der Prinz schämte sich, aber Eisenhans war freundlich und ließ ihn weiter bei sich bleiben.

Später ging der Prinz in eine große Stadt. Dort gab es einen Krieg. Der Prinz wollte helfen, aber er hatte keine Rüstung und kein Pferd. Da erschien Eisenhans wieder. Er gab dem Prinzen ein starkes Pferd und goldene Rüstung. Der Prinz kämpfte mutig und gewann die Schlacht. Niemand wusste, wer der goldene Ritter war.

Der König der Stadt hatte eine schöne Tochter. Sie wollte den geheimnisvollen Ritter kennenlernen. Bei einem Fest erkannte sie den Prinzen an seinem goldenen Haar. Der Prinz erzählte die ganze Geschichte. Da kam Eisenhans in den Saal. Er war nicht mehr wild. Er war ein König, der durch einen Zauber verwandelt worden war. Der Prinz hatte den Zauber gebrochen.

Der Prinz und die Prinzessin heirateten. Eisenhans wurde ihr Freund. Und alle lebten glücklich weiter.




Allerleirauh

Es war einmal ein König, der seine Frau sehr liebte. Die Königin war sehr schön, und sie hatte goldenes Haar. Als sie krank wurde und starb, war der König sehr traurig. Bevor sie starb, sagte die Königin zu ihm: „Du sollst nur wieder heiraten, wenn die neue Frau genauso schön ist wie ich und goldenes Haar hat.“ Der König versprach es.

Nach einiger Zeit wollte der König wieder heiraten. Aber er fand keine Frau, die so schön war wie die Königin. Dann sah er eines Tages seine eigene Tochter. Sie war nun erwachsen und sah ihrer Mutter sehr ähnlich. Der König dachte, er müsse sie heiraten. Die Tochter erschrak und wollte das nicht. Sie versuchte, Zeit zu gewinnen. Sie sagte: „Ich heirate dich nur, wenn du mir drei Kleider machst. Ein Kleid soll so golden sein wie die Sonne. Ein anderes soll so silbern sein wie der Mond. Und das dritte soll glitzern wie die Sterne. Außerdem brauche ich einen Mantel aus tausend verschiedenen Tierfellen.“

Der König ließ sofort alles machen. Die Prinzessin merkte, dass sie fliehen musste. Als die Kleider fertig waren, packte sie sie in eine kleine Kiste. Dann zog sie den Mantel aus vielen Fellen an. Sie machte ihr Gesicht schmutzig, damit sie niemand erkennt. In der Nacht lief sie aus dem Schloss und ging weit weg in einen großen Wald.

Nach langer Zeit kam sie zu einem anderen Schloss. Dort bat sie um Arbeit. Die Leute im Schloss dachten, sie sei ein armes Mädchen und gaben ihr eine Stelle in der Küche. Sie nannten sie „Allerleirauh“, weil ihr Mantel aus vielen Fellen bestand.

Allerleirauh arbeitete hart. Eines Tages gab es ein Fest im Schloss. Sie wollte den König sehen. Heimlich wusch sie sich, zog ein schönes Kleid an und ging zum Fest. Der König tanzte mit ihr und fand sie sehr schön. Aber bevor er ihren Namen fragen konnte, lief sie wieder weg und zog den Fellmantel an.

Das passierte noch zwei Mal. Der König wollte wissen, wer das schöne Mädchen war. Beim dritten Fest steckte er ihr einen Ring an den Finger. Später, in der Küche, fand er den Ring wieder bei Allerleirauh. Da erkannte er sie. Sie erzählte ihm ihre Geschichte. Der König nahm sie zur Frau, und sie lebten glücklich zusammen.




Die zwölf Brüder

Es war einmal ein König und eine Königin. Sie hatten zwölf Söhne. Die Königin war wieder schwanger und hoffte sehr auf ein Mädchen. Der König aber sagte etwas sehr Hartes: Wenn das neue Kind ein Mädchen wird, sollen die zwölf Söhne sterben. Er wollte, dass nur das Mädchen später Königin wird. Die Königin war sehr traurig. Sie liebte ihre Söhne und wollte sie schützen.

Die Königin erzählte ihren Söhnen, was der König gesagt hatte. Die Jungen erschraken. Die Mutter sagte ihnen, sie sollen in den Wald fliehen und dort in einer kleinen Hütte leben. Sie versprach, ihnen jeden Tag Essen zu bringen, bis sie wusste, ob das neue Kind ein Junge oder ein Mädchen ist. Die Brüder gingen in den Wald und warteten dort viele Tage.

Dann bekam die Königin ein Mädchen. Sie war sehr glücklich, aber sie konnte ihren Söhnen nicht mehr helfen. Der König ließ die zwölf Hemden der Jungen verstecken, damit sie nicht zurückkommen. Die Brüder blieben im Wald und lebten dort viele Jahre allein. Sie wurden stark und mutig, aber sie waren auch traurig, weil sie ihre Mutter vermissten.

Das kleine Mädchen wuchs im Schloss auf. Sie wusste nichts von ihren Brüdern. Als sie älter wurde, hörte sie zufällig von ihnen und wollte sie unbedingt finden. Sie ging allein in den Wald und suchte lange. Schließlich fand sie die Hütte und traf die zwölf Männer. Sie wusste sofort, dass es ihre Brüder waren. Die Brüder freuten sich sehr über ihre Schwester.

Doch es gab ein Problem: Die Brüder hatten geschworen, jedes Mädchen zu töten, das in die Hütte kommt. Sie wussten nicht, dass dieses Mädchen ihre Schwester war. Der jüngste Bruder sah jedoch, dass sie sehr freundlich war, und er bemerkte, dass sie die gleichen Augen wie ihre Mutter hatte. So erkannten die Brüder die Wahrheit und umarmten ihre Schwester.

Die Schwester blieb bei ihnen und half im Haushalt. Eines Tages pflückte sie Blumen und pflückte dabei aus Versehen zwölf Lilien. Die Lilien waren verzaubert. Als sie die Blumen pflückte, verwandelten sich die Brüder in Raben. Die Schwester war verzweifelt. Sie wollte ihre Brüder retten. Eine alte Frau sagte ihr, sie müsse sieben Jahre lang schweigen und nicht lachen. Nur dann würden die Brüder wieder Menschen werden.

Die Schwester schwieg sieben Jahre lang. Viele Menschen dachten, sie sei stumm. Ein König verliebte sich in sie und heiratete sie. Doch seine Mutter glaubte, die junge Frau sei böse. Sie wollte sie verbrennen. Gerade in diesem Moment endeten die sieben Jahre. Die zwölf Raben kamen geflogen und verwandelten sich wieder in Menschen. Sie retteten ihre Schwester. Der König sah, dass sie unschuldig war, und alle lebten glücklich weiter.




Die weiße Schlange

Es war einmal ein König, der ein großes Schloss hatte. Er war ein guter Herrscher, aber er hatte auch ein Geheimnis. Jeden Tag brachte ihm ein Diener ein besonderes Essen. Es war eine Schüssel mit einer weißen Schlange. Niemand wusste davon. Der König aß immer ein kleines Stück davon.

Eines Tages war der Diener neugierig. Er wollte wissen, warum der König dieses Essen bekam. Als er allein war, probierte er ein kleines Stück von der weißen Schlange. Plötzlich konnte er die Sprache der Tiere verstehen. Das war eine besondere Gabe, und der Diener war sehr überrascht.

Bald danach verlor der Diener seine Arbeit, weil jemand dachte, er hätte etwas gestohlen. Er war traurig, aber er wollte in die Welt hinausgehen und sein Glück suchen. Auf seinem Weg hörte er viele Tiere sprechen. Er verstand sie und konnte ihnen helfen.

Zuerst traf er einige Fische, die in einem Netz gefangen waren. Sie baten um Hilfe. Der Diener schnitt das Netz auf, und die Fische schwammen frei. Sie sagten: „Danke! Wir werden dir eines Tages helfen.“

Später sah er Ameisen, die verzweifelt waren. Ihr Ameisenhaufen war zerstört. Der Diener half ihnen und baute den Haufen wieder auf. Auch die Ameisen sagten: „Danke! Wir werden dir helfen.“

Dann traf er drei junge Raben. Sie hatten Hunger, weil ihre Eltern nicht zurückkamen. Der Diener gab ihnen sein letztes Brot. Die Raben sagten: „Danke! Wir werden dir helfen.“

Nach einiger Zeit kam der Diener in eine große Stadt. Dort lebte eine schöne Prinzessin. Viele Männer wollten sie heiraten, aber sie stellte schwere Aufgaben. Wer die Aufgaben nicht schaffte, musste sterben. Der Diener wollte es trotzdem versuchen.

Die erste Aufgabe war: Er sollte einen goldenen Ring finden, der in einen tiefen See gefallen war. Der Diener war verzweifelt. Doch die Fische, denen er geholfen hatte, kamen und brachten ihm den Ring.

Die zweite Aufgabe war: Er sollte tausend Körner sammeln, die die Prinzessin im Gras verstreut hatte. Da kamen die Ameisen und sammelten alle Körner für ihn.

Die dritte Aufgabe war die schwerste: Er sollte einen Apfel vom Baum des Lebens holen. Die Raben flogen los und brachten ihm den Apfel.

Der Diener bestand alle Aufgaben. Die Prinzessin sah, dass er mutig und freundlich war. Sie heirateten und lebten glücklich zusammen.




Die Bienenkönigin

Es waren einmal drei Brüder. Die beiden älteren Brüder waren stark und mutig, aber sie waren auch ein bisschen stolz und gemein. Der jüngste Bruder war freundlich und ruhig. Die anderen lachten oft über ihn und nannten ihn „Dummchen“. Trotzdem blieb er immer höflich und hilfsbereit.

Eines Tages gingen die drei Brüder zusammen in den Wald. Sie wollten Abenteuer erleben. Nach einiger Zeit kamen sie zu einem Ameisenhaufen. Die beiden älteren Brüder wollten die Ameisen stören und zerstören. Aber der jüngste Bruder sagte: „Lasst die Tiere in Ruhe. Sie tun uns nichts.“ Die Brüder hörten auf ihn und gingen weiter.

Später fanden sie einen See. In dem See schwammen viele Enten. Die älteren Brüder wollten die Enten fangen und braten. Doch der jüngste Bruder sagte wieder: „Nein, tut ihnen nichts. Sie haben uns nichts getan.“ Also ließen sie die Enten in Frieden.

Dann kamen sie zu einem Bienenstock. Die älteren Brüder wollten den Honig holen und das Nest kaputtmachen. Aber der jüngste Bruder sagte: „Bitte nicht! Die Bienen arbeiten hart. Wir dürfen sie nicht zerstören.“ Die Brüder gingen weiter, und die Bienen blieben sicher.

Schließlich kamen die drei zu einem alten Schloss. Das Schloss war verzaubert. Alles war still, und niemand lebte dort. Im Schloss fanden sie drei Aufgaben. Wenn jemand alle Aufgaben löste, sollte der Zauber gebrochen werden.

Die erste Aufgabe war: „Finde die tausend Perlen der Prinzessin.“ Die Perlen lagen überall im Gras. Die beiden älteren Brüder suchten, aber sie gaben schnell auf. Der jüngste Bruder suchte weiter. Da kamen die Ameisen und halfen ihm. Sie sammelten alle Perlen für ihn.

Die zweite Aufgabe war: „Hole den goldenen Schlüssel aus dem See.“ Der jüngste Bruder wusste nicht, wie er das schaffen sollte. Doch die Enten, die er gerettet hatte, tauchten hinunter und brachten ihm den Schlüssel.

Die dritte Aufgabe war die schwerste: „Finde die richtige Bienenkönigin.“ Viele Bienen saßen nebeneinander. Da kam die Bienenkönigin, die er gerettet hatte, und zeigte sich. So löste er auch die letzte Aufgabe.

Der Zauber des Schlosses brach. Die Prinzessin und viele Menschen wurden wieder lebendig. Der jüngste Bruder bekam die Prinzessin zur Frau. Seine Brüder wurden freundlich und lebten friedlich mit ihm zusammen.




Der Hase und der Igel

Es war einmal ein Igel, der mit seiner Frau auf einem Feld lebte. Es war ein schöner Morgen, und der Igel wollte spazieren gehen. Er ging langsam über das Feld und freute sich über das gute Wetter. Plötzlich traf er den Hasen. Der Hase war sehr stolz und lachte über den Igel, weil der Igel so kurze Beine hatte und nicht schnell laufen konnte.

Der Igel wurde wütend. Er sagte zum Hasen, dass er genauso gut laufen könne wie er. Der Hase lachte noch mehr und sagte, dass das unmöglich sei. Da schlug der Igel ein Wettrennen vor. Der Hase war sofort einverstanden, denn er war sicher, dass er gewinnen würde.

Der Igel ging nach Hause und erzählte seiner Frau von dem Wettrennen. Seine Frau sah genauso aus wie er. Der Igel hatte eine Idee: Sie sollte sich am Ende der Rennstrecke hinstellen. Wenn der Hase dort ankommt, sollte sie rufen: „Ich bin schon da!“ Die Igelfrau war einverstanden und ging sofort los.

Dann begann das Wettrennen. Der Hase rannte sehr schnell los. Der Igel aber lief nur ein paar Schritte und versteckte sich dann im Gras. Der Hase kam bald am Ziel an. Dort stand die Igelfrau und rief: „Ich bin schon da!“ Der Hase war überrascht und verstand nichts. Er dachte, der Igel sei schneller gewesen.

Der Hase wollte es nicht glauben und schlug ein neues Rennen vor. Wieder rannte er los, so schnell er konnte. Und wieder stand am Ziel die Igelfrau und rief: „Ich bin schon da!“ Der Hase wurde immer wütender und rannte noch einmal. So ging es viele Male weiter. Der Hase rannte hin und her, immer schneller und immer wütender.

Am Ende war der Hase so erschöpft, dass er tot umfiel. Der Igel und seine Frau gingen ruhig nach Hause. Sie hatten das Wettrennen gewonnen, weil sie klug waren und gut zusammengearbeitet hatten.

Die Geschichte zeigt, dass man nicht nur schnell sein muss. Man kann auch mit Klugheit und Teamarbeit gewinnen. Und man sollte andere nicht auslachen oder unterschätzen.




Die drei Federn

Es war einmal ein alter König. Er hatte drei Söhne. Zwei Söhne waren stark, klug und stolz. Der dritte Sohn war ruhig und schüchtern. Die Brüder nannten ihn oft „Dummling“, weil sie dachten, er sei nicht so klug wie sie. Der König wollte entscheiden, welcher Sohn nach seinem Tod König werden sollte. Er wollte gerecht sein und eine Aufgabe geben.

Eines Tages rief der König seine drei Söhne zu sich. Er sagte: „Ich werfe drei Federn in die Luft. Ihr geht in die Richtung, in die die Federn fliegen. Bringt mir den schönsten Teppich. Wer den besten Teppich bringt, wird König.“ Die Söhne waren überrascht, aber sie gehorchten.

Der König warf die Federn. Die erste Feder flog nach Osten, die zweite nach Westen. Die dritte Feder fiel direkt vor die Füße des Dummlings. Die beiden älteren Brüder lachten und gingen schnell los. Dummling blieb stehen und sah die Feder auf dem Boden. Er dachte: „Ich muss trotzdem mein Bestes geben.“

In der Nähe fand er eine kleine Tür im Boden. Er öffnete sie und stieg eine Treppe hinunter. Dort sah er eine große Kröte. Die Kröte fragte freundlich: „Was suchst du?“ Dummling sagte: „Ich brauche den schönsten Teppich für meinen Vater.“ Die Kröte rief ihre kleinen Krötenkinder. Sie brachten einen wunderbaren Teppich, weich und bunt. Dummling bedankte sich und ging zurück.

Die beiden Brüder hatten nur einfache Teppiche gefunden. Als sie zum König kamen, zeigte Dummling seinen Teppich. Der König war überrascht, denn Dummlings Teppich war viel schöner. Die Brüder waren neidisch. Sie sagten: „Gib uns noch eine Aufgabe!“

Der König stimmte zu. Die Söhne sollten nun den schönsten Ring bringen. Wieder flogen die Federn, und wieder fand Dummling die Kröte. Sie gab ihm einen goldenen Ring. Die Brüder brachten nur einfache Ringe. Dummling gewann wieder.

Die Brüder wollten es nicht akzeptieren. Der König gab eine dritte Aufgabe: „Bringt mir die schönste Frau.“ Dummling ging wieder zur Kröte. Die Kröte verwandelte sich in eine wunderschöne Frau. Die Brüder fanden nur gewöhnliche Frauen.

Der König sah die drei Frauen und wusste sofort: Dummling hatte die schönste. So wurde Dummling König. Er war freundlich und gerecht, und das ganze Land war glücklich.




Die zertanzten Schuhe

Es war einmal ein König, der zwölf Töchter hatte. Die Prinzessinnen waren schön und freundlich. Sie schliefen alle zusammen in einem großen Zimmer. Jede Nacht schloss der König die Tür ab. Trotzdem passierte etwas Seltsames: Jeden Morgen waren die Schuhe der Prinzessinnen kaputt und durchgetanzt. Der König verstand das nicht. Er fragte seine Töchter, aber sie sagten nichts. Sie lächelten nur und schwiegen.

Der König wurde ungeduldig. Er wollte wissen, was in der Nacht geschah. Deshalb machte er ein Angebot: Jeder Mann durfte versuchen, das Geheimnis zu lösen. Wenn er es schaffte, durfte er eine Prinzessin heiraten. Wenn er es nicht schaffte, musste er das Schloss verlassen und durfte nie wieder zurückkommen.

Viele Männer versuchten es, aber keiner fand die Wahrheit heraus. Eines Tages kam ein armer Soldat zum Schloss. Er war freundlich und mutig. Unterwegs traf er eine alte Frau. Sie gab ihm einen Rat und schenkte ihm einen magischen Mantel. Mit diesem Mantel konnte er unsichtbar werden. Die Frau sagte: „Trink den Wein im Schloss nicht. Tu nur so, als ob du schläfst.“

Der Soldat ging zum König und durfte im Zimmer der Prinzessinnen übernachten. Am Abend gaben die Prinzessinnen ihm ein Glas Wein. Der Soldat tat so, als ob er trank, aber er goss den Wein heimlich weg. Dann legte er sich ins Bett und stellte sich schlafend.

Die Prinzessinnen dachten, er schlafe tief. Sie standen leise auf, zogen schöne Kleider an und öffneten eine geheime Tür im Boden. Der Soldat zog den magischen Mantel an und folgte ihnen unsichtbar. Die Prinzessinnen gingen eine lange Treppe hinunter. Unten kamen sie in ein wunderbares, magisches Land. Dort warteten zwölf Prinzen. Musik spielte, und alle tanzten die ganze Nacht.

Der Soldat sah alles. Er nahm sogar einen goldenen Becher als Beweis mit. Am nächsten Morgen erzählte er dem König die ganze Geschichte. Die Prinzessinnen erschraken, denn nun war ihr Geheimnis entdeckt.

Der König war froh, endlich die Wahrheit zu kennen. Der Soldat durfte sich eine Prinzessin aussuchen. Er wählte die älteste Tochter, und sie heirateten. Die geheimen Nächte und die zertanzten Schuhe hörten auf. Und alle lebten glücklich weiter.




Der Teufel und seine Großmutter

Es war einmal ein großer Krieg. Drei Soldaten hatten große Angst. Sie wollten nicht mehr kämpfen. Wenn sie im Krieg blieben, mussten sie sterben. Wenn sie wegliefen, wurden sie bestraft. Die drei Männer versteckten sich in einem Kornfeld. Dort lagen sie drei Tage lang. Sie hatten Hunger und wussten nicht, was sie tun sollten.

Am dritten Tag hörten sie ein seltsames Geräusch. Ein großer Drache kam geflogen. Der Drache war der Teufel. Er sagte zu den Soldaten: „Ich kann euch helfen. Ihr müsst nicht sterben. Kommt mit mir und arbeitet sieben Jahre für mich. Dann seid ihr frei.“ Die Soldaten hatten Angst, aber sie sagten Ja. Der Teufel gab ihnen eine kleine Peitsche. Wenn sie damit schlugen, kam sofort viel Geld. So konnten sie gut leben.

Die sieben Jahre gingen schnell vorbei. Am letzten Tag bekamen die Soldaten Angst. Sie wussten: Der Teufel will ihre Seelen holen. Einer der Männer sagte: „Wir müssen jemanden finden, der uns hilft.“ Sie gingen lange durch den Wald. Dort trafen sie eine alte Frau. Sie war die Großmutter des Teufels. Sie war freundlich und sagte: „Ich weiß, warum ihr hier seid. Der Teufel will euch prüfen. Wenn ihr die Prüfung besteht, seid ihr frei.“

Die Großmutter versteckte die Soldaten. Dann kam der Teufel zu ihr. Er sagte: „Morgen kommen drei Männer zu mir. Ich gebe ihnen drei Rätsel. Wenn sie die Rätsel nicht lösen, gehören sie mir.“ Die Großmutter fragte: „Welche Rätsel willst du ihnen geben?“ Der Teufel erzählte ihr alles. Die Soldaten hörten heimlich zu und merkten sich die Antworten.

Am nächsten Tag gingen sie zum Teufel. Er stellte ihnen die drei Rätsel. Die Soldaten antworteten richtig, weil sie alles von der Großmutter wussten. Der Teufel wurde sehr wütend, aber er musste sie gehen lassen. Die drei Männer waren frei und lebten glücklich weiter.




Der Rattenfänger von Hameln

Die Geschichte passiert in der kleinen Stadt Hameln. Die Menschen dort leben ruhig und friedlich. Eines Tages kommt aber ein großes Problem: In der ganzen Stadt gibt es plötzlich sehr viele Ratten. Die Ratten laufen durch die Straßen, in die Häuser und sogar in die Küche der Menschen. Sie fressen das Essen und machen alles schmutzig. Die Leute in Hameln sind verzweifelt. Sie wissen nicht, was sie tun sollen.

Eines Morgens kommt ein fremder Mann in die Stadt. Er trägt einen bunten Mantel und hat eine lange Flöte bei sich. Die Menschen schauen ihn neugierig an. Der Mann sagt: „Ich kann eure Ratten vertreiben. Aber ihr müsst mich dafür bezahlen.“ Die Bürgermeister und die reichen Leute der Stadt sind froh und versprechen ihm viel Geld.

Der fremde Mann nimmt seine Flöte und beginnt zu spielen. Die Musik ist sehr schön und besonders. Alle Ratten hören die Melodie. Sie laufen aus den Häusern, aus den Kellern und aus den Straßen. Sie folgen dem Mann, der langsam aus der Stadt geht. Er führt die Ratten bis zu einem Fluss. Dort springen die Ratten ins Wasser und ertrinken. Die Stadt Hameln ist endlich frei von den Ratten.

Die Menschen freuen sich sehr. Aber als der Mann zurückkommt und seinen Lohn verlangt, wollen die Bürgermeister nicht mehr bezahlen. Sie sagen: „Du hast nur ein bisschen Musik gemacht. Das war nicht viel Arbeit.“ Der Mann wird wütend und traurig. Er sagt: „Ihr habt euer Wort gebrochen. Das ist nicht richtig.“ Dann verlässt er die Stadt.

Einige Tage später kommt der Mann wieder. Diesmal trägt er eine andere Kleidung. Niemand erkennt ihn. Er nimmt wieder seine Flöte und spielt eine neue Melodie. Jetzt folgen ihm nicht die Ratten, sondern die Kinder der Stadt. Sie laufen fröhlich hinter ihm her. Der Mann führt sie aus Hameln hinaus. Die Eltern merken es zu spät. Sie suchen ihre Kinder, aber sie finden sie nicht mehr.

Die Kinder kommen nie zurück. Die Menschen in Hameln sind traurig und bereuen, dass sie den Mann betrogen haben. Seit diesem Tag erinnert sich die Stadt an die Geschichte vom Rattenfänger.




Die Wassernixe

Es war einmal ein Müller. Er lebte mit seiner Frau in einer kleinen Mühle am Fluss. Die beiden waren arm und hatten oft Sorgen. Eines Tages ging der Müller in den Wald, um Holz zu holen. Dort traf er plötzlich eine schöne Frau. Sie hatte lange grüne Haare und ein Kleid aus Wasser. Sie war eine Wassernixe. Die Nixe sprach freundlich zum Müller und sagte, sie könne ihm helfen. Sie versprach ihm Reichtum und Glück. Der Müller war überrascht und fragte, was sie dafür wolle. Die Wassernixe sagte: „Gib mir, was jetzt zu Hause ist.“ Der Müller dachte, seine Frau sei allein zu Hause. Deshalb stimmte er zu.

Doch als er zurückkam, sah er, dass seine Frau gerade ein Kind bekommen hatte. Der Müller erschrak. Er hatte ohne es zu wissen sein eigenes Kind der Wassernixe versprochen. Die Jahre vergingen, und das Kind, ein Junge, wuchs heran. Er wurde stark und freundlich. Der Müller und seine Frau liebten ihn sehr. Sie erzählten ihm aber nichts von dem Versprechen.

Als der Junge ein junger Mann war, ging er oft in den Wald. Eines Tages traf er dort ein schönes Mädchen. Sie verliebten sich und wollten heiraten. Die beiden waren sehr glücklich. Doch eines Tages ging der junge Mann zum Fluss, um Holz zu schneiden. Plötzlich kam die Wassernixe aus dem Wasser. Sie packte ihn und zog ihn in den Fluss. Der junge Mann konnte nicht entkommen. Die Wassernixe sagte: „Du gehörst mir. Dein Vater hat dich mir versprochen.“

Das Mädchen suchte ihren Geliebten überall. Sie weinte viel und gab nicht auf. Sie träumte von ihm und hörte seine Stimme im Wind. Eines Tages fand sie eine alte Frau im Wald. Die Frau wollte ihr helfen. Sie gab ihr eine goldene Spindel, ein goldenes Rad und eine goldene Nadel. Mit diesen Dingen konnte das Mädchen die Wassernixe ablenken.

Dreimal ging das Mädchen zum Fluss. Jedes Mal gab sie der Wassernixe ein goldenes Geschenk. Die Nixe war neugierig und spielte damit. So konnte das Mädchen ihren Geliebten kurz sehen. Beim dritten Mal gelang es ihr, ihn zu befreien. Die beiden liefen schnell weg. Die Wassernixe schrie vor Wut, aber sie konnte ihnen nicht folgen.

So kamen die beiden sicher nach Hause und lebten glücklich zusammen.




Der Gevatter Tod

Es war einmal ein armer Mann. Er hatte viele Kinder und konnte sie kaum ernähren. Als sein jüngstes Kind geboren wurde, wollte er einen guten Gevatter, also einen Paten, finden. Er ging hinaus auf die Straße und suchte jemanden, der sein Kind begleiten und beschützen sollte.

Zuerst traf er Gott. Gott bot an, der Gevatter zu sein. Aber der Mann sagte nein, weil Gott die Reichen bevorzugt und die Armen oft vergisst. Dann traf er den Teufel. Der Teufel wollte auch Gevatter werden. Doch der Mann lehnte ab, weil der Teufel die Menschen betrügt. Schließlich traf er den Tod. Der Tod sagte: „Ich behandle alle Menschen gleich. Für mich sind alle gleich wichtig.“ Das gefiel dem Mann, und so wurde der Tod der Gevatter des Kindes.

Das Kind wuchs heran und wurde ein junger Mann. Der Tod kam zu ihm und sagte: „Ich mache dich zu einem berühmten Arzt. Wenn du an ein Krankenbett kommst und mich am Kopfende siehst, kannst du den Kranken heilen. Wenn ich aber am Fußende stehe, musst du sagen, dass der Mensch sterben wird. Du darfst niemals gegen meinen Willen handeln.“

Der junge Mann wurde ein sehr bekannter Arzt. Viele Menschen kamen zu ihm, und er heilte viele Kranke. Eines Tages wurde der König schwer krank. Der Arzt ging zu ihm und sah den Tod am Fußende stehen. Das bedeutete, dass der König sterben sollte. Aber der Arzt wollte den König retten. Er drehte das Bett heimlich um. Jetzt stand der Tod am Kopfende, und der Arzt gab dem König Medizin. Der König wurde gesund.

Der Tod war sehr wütend. Er warnte den Arzt und sagte: „Tu das nie wieder.“ Doch kurze Zeit später wurde die Prinzessin krank. Der Arzt sah wieder den Tod am Fußende. Er liebte die Prinzessin und wollte sie unbedingt retten. Also drehte er das Bett noch einmal um und heilte sie.

Da erschien der Tod erneut. Er sagte: „Du hast mein Wort gebrochen. Jetzt musst du mit mir kommen.“ Der Tod führte den Arzt in eine große Höhle. Dort brannten viele kleine und große Lichter. „Das sind die Lebenslichter der Menschen“, erklärte der Tod. Das Licht des Arztes war sehr klein und fast aus. Der Arzt bat um ein neues Licht, aber der Tod sagte nein. Dann fiel das kleine Licht um und erlosch. Der Arzt starb, und der Tod nahm ihn mit.




Die drei Glückskinder

Es war einmal ein armer Mann, der drei Söhne hatte. Die Familie hatte nicht viel Geld, aber die drei Jungen waren freundlich und fleißig. Eines Tages sagte der Vater: „Ihr seid jetzt alt genug. Geht in die Welt und sucht euer Glück.“ Die drei Brüder waren traurig, aber sie wollten mutig sein. Sie verabschiedeten sich und gingen los.

Die Brüder kamen an eine große Kreuzung. Dort standen drei Wege. Jeder Weg führte in eine andere Richtung. Die Brüder umarmten sich und sagten: „Wir treffen uns wieder, wenn wir Glück gefunden haben.“ Dann ging jeder seinen eigenen Weg.

Der erste Bruder kam in eine Stadt. Dort sah er viele Menschen, die Angst hatten. Ein großer Drache lebte in der Nähe und machte die Stadt unsicher. Der Bruder war mutig. Er kämpfte gegen den Drachen und besiegte ihn. Die Menschen waren sehr dankbar. Der König gab ihm viel Gold und sagte: „Du bist ein Held.“ Der Bruder war glücklich.

Der zweite Bruder kam zu einem Schloss. Dort weinte eine Prinzessin. Sie erzählte ihm, dass ein böser Zauberer sie gefangen hielt. Der Bruder wollte ihr helfen. Er schlich sich in den Turm, fand den Zauberer und nahm ihm den Zauberstab weg. Der Zauberer verlor seine Macht, und die Prinzessin war frei. Der König belohnte den Bruder mit schönen Geschenken. Auch er war glücklich.

Der dritte Bruder kam in einen dunklen Wald. Dort traf er viele Tiere, die hungrig und schwach waren. Der Bruder teilte sein Brot mit ihnen und half ihnen. Die Tiere waren dankbar und führten ihn zu einer Höhle voller Gold und Edelsteine. Der Bruder nahm nur ein wenig, denn er war bescheiden. Trotzdem war er glücklich.

Nach einem Jahr trafen sich die drei Brüder wieder an der Kreuzung. Jeder erzählte seine Geschichte. Sie freuten sich sehr, denn alle hatten ihr Glück gefunden. Gemeinsam gingen sie nach Hause zu ihrem Vater. Der Vater war stolz und sagte: „Ihr seid wirklich meine drei Glückskinder.“

Und so lebten sie glücklich weiter.




Der starke Hans

Es war einmal ein Junge, der Hans hieß. Hans war nicht wie andere Kinder. Er war schon als Baby sehr stark. Seine Mutter merkte das schnell. Wenn Hans hungrig war, konnte er so laut schreien, dass die Fenster klapperten. Und wenn er spielte, brach er manchmal aus Versehen Möbel kaputt. Die Mutter liebte Hans sehr, aber sie wusste, dass er vorsichtig sein musste.

Als Hans größer wurde, wurde er noch stärker. Er konnte schwere Steine heben, die sonst nur viele Männer zusammen tragen konnten. Die Leute im Dorf staunten über ihn. Manche hatten auch ein bisschen Angst, aber Hans war freundlich und wollte niemandem etwas Böses tun.

Eines Tages hörte Hans, dass ein König im Nachbarland Hilfe brauchte. Ein böser Riese machte dort Probleme. Der Riese zerstörte Felder und Häuser. Viele Ritter hatten versucht, den Riesen zu besiegen, aber keiner war stark genug. Hans sagte zu seiner Mutter, dass er dem König helfen wollte. Die Mutter war traurig, aber sie wusste, dass Hans seinen eigenen Weg gehen musste.

Hans machte sich auf den Weg. Unterwegs traf er zwei Männer. Der eine war sehr schnell, der andere konnte sehr weit sehen. Sie beschlossen, Hans zu begleiten. Zusammen kamen sie zum Schloss des Königs. Der König war froh, denn er hatte noch nie so starke und besondere Helfer gesehen.

Der Riese war nicht weit entfernt. Hans und seine Freunde gingen zu ihm. Der Riese lachte zuerst, weil er dachte, Hans sei nur ein kleiner Mann. Aber Hans zeigte seine Kraft. Er hob einen großen Baum aus der Erde und warf ihn zur Seite. Der Riese erschrak. Dann kämpften Hans und der Riese miteinander. Es war ein schwerer Kampf, aber am Ende gewann Hans.

Der König war sehr dankbar. Er gab Hans und seinen Freunden viele Geschenke. Hans aber wollte nur nach Hause zu seiner Mutter. Als er zurückkam, freute sie sich sehr. Hans blieb im Dorf und half den Menschen mit seiner großen Kraft. Alle mochten ihn, und er lebte glücklich und zufrieden.




Der arme Müllerbursch und das Kätzchen

Es war einmal ein armer Müllerbursche. Er arbeitete in einer Mühle, aber er hatte kein Geld und keine Familie. Eines Tages sagte der alte Müller zu seinen drei Gesellen, dass er bald sterben werde. Er wollte die Mühle demjenigen geben, der das beste Pferd mitbringt. Die drei Burschen machten sich auf den Weg, um ein Pferd zu finden.

Der arme Müllerbursche ging lange durch den Wald. Er war müde und hungrig. Plötzlich hörte er ein leises Miauen. Ein kleines weißes Kätzchen kam zu ihm. Das Kätzchen sprach mit einer feinen Stimme und sagte, es wolle ihm helfen. Der Müllerbursche war überrascht, aber er war freundlich und hörte zu.

Das Kätzchen führte ihn in ein schönes kleines Haus im Wald. Dort bekam er gutes Essen und ein warmes Bett. Das Kätzchen sagte: „Bleib hier ein Jahr und arbeite fleißig für mich. Dann bekommst du ein Pferd.“ Der Müllerbursche war froh und blieb.

Ein Jahr lang arbeitete er jeden Tag. Er hackte Holz, trug Wasser und machte alles sauber. Das Kätzchen war immer freundlich zu ihm. Am Ende des Jahres sagte es: „Jetzt bekommst du dein Pferd.“ Es führte ihn in einen Stall. Dort standen zwölf wunderschöne Pferde. Der Müllerbursche war erstaunt. Das Kätzchen gab ihm das beste Pferd.

Dann sagte das Kätzchen: „Wenn du wiederkommst, sollst du mich mitnehmen.“ Der Müllerbursche versprach es.

Er ging zurück zur Mühle. Die anderen Gesellen hatten nur schlechte Pferde gefunden. Der Müllerbursch hatte das schönste Pferd, und so bekam er die Mühle.

Nach einiger Zeit erinnerte er sich an das Kätzchen. Er ging in den Wald zurück. Als er ankam, sah er kein Kätzchen mehr, sondern eine schöne Prinzessin. Sie sagte: „Ich war verzaubert. Nur ein guter Mensch konnte mich erlösen.“ Der Müllerbursche war glücklich. Die Prinzessin ging mit ihm, und sie heirateten. Zusammen lebten sie in der Mühle und waren sehr glücklich.




Die kluge Bauerntochter

Es war einmal ein Bauer, der hatte eine sehr kluge Tochter. Eines Tages fand der Bauer einen goldenen Mörser auf seinem Feld. Er wusste nicht, was er damit machen sollte. Der Bauer dachte, der König würde sich über das Geschenk freuen. Aber seine Tochter warnte ihn. Sie sagte: „Gib den Mörser nicht dem König. Er wird auch den Stößel wollen, und du hast keinen.“ Der Bauer hörte nicht auf sie und brachte den Mörser zum König.

Der König war nicht zufrieden. Er sagte: „Danke für den Mörser. Jetzt gib mir auch den Stößel.“ Der Bauer erklärte, dass er keinen Stößel gefunden hatte. Doch der König glaubte ihm nicht und ließ ihn ins Gefängnis werfen. Der Bauer erzählte im Gefängnis, dass seine Tochter ihn gewarnt hatte. Als der König das hörte, wollte er die Tochter kennenlernen.

Der König stellte der Bauerntochter viele schwierige Fragen und Rätsel. Sie beantwortete alle klug und schnell. Der König war beeindruckt und sagte: „Du bist sehr weise. Ich möchte dich heiraten.“ Die Bauerntochter stimmte zu, aber der König stellte eine Bedingung. Er sagte: „Du darfst nie wieder über etwas im Schloss entscheiden. Wenn du es doch tust, musst du gehen.“

Die Bauerntochter wurde Königin. Eines Tages sah sie, wie ein Mann und ein Pferd stritten. Der Mann sagte, das Pferd gehöre ihm. Ein anderer Mann sagte, das Pferd habe ihn nach Hause getragen, also sei es sein Pferd. Die Königin gab einen klugen Rat und löste den Streit. Der König hörte davon und wurde wütend. Er sagte: „Du hast entschieden. Du musst das Schloss verlassen. Aber du darfst eine Sache mitnehmen, die dir am liebsten ist.“

Die Königin nickte. Am Abend gab sie dem König Wein zu trinken. Als er eingeschlafen war, ließ sie ihn in eine Kutsche tragen. Am nächsten Morgen wachte der König in einem kleinen Haus auf. Die Königin sagte: „Du bist das Liebste, was ich habe. Darum habe ich dich mitgenommen.“ Der König musste lachen. Er sah, wie klug und liebevoll sie war. Er nahm sie wieder mit ins Schloss, und sie lebten glücklich weiter.




Vom Fischer und seiner Frau

Es war einmal ein Fischer, der mit seiner Frau in einer kleinen, alten Hütte am Meer lebte. Die beiden waren sehr arm. Jeden Tag ging der Fischer zum Meer und fing Fische. Eines Tages fing er einen großen, bunten Butt. Der Butt konnte sprechen. Er sagte: „Bitte lass mich leben. Ich bin ein verzauberter Prinz.“ Der Fischer hatte Mitleid und ließ den Butt frei.

Als der Fischer nach Hause kam, erzählte er seiner Frau von dem sprechenden Fisch. Die Frau war überrascht und sagte: „Warum hast du dir nichts gewünscht? Geh zurück und bitte den Butt um ein schönes Haus.“ Der Fischer wollte das nicht, aber seine Frau drängte ihn. Also ging er wieder ans Meer. Das Meer war schon ein bisschen gelb und dunkel. Der Fischer rief den Butt, und der Butt kam. Der Fischer wünschte sich ein schönes Haus. Der Butt sagte: „Geh nach Hause, es ist schon erfüllt.“

Zu Hause sah der Fischer ein großes, schönes Haus. Seine Frau war sehr glücklich. Aber nach ein paar Tagen wollte sie mehr. Sie sagte: „Ich möchte eine Königin sein.“ Der Fischer wollte das nicht, aber er ging wieder zum Butt. Das Meer war jetzt grau und stürmisch. Der Butt erfüllte auch diesen Wunsch.

Die Frau war nun Königin, aber sie war immer noch nicht zufrieden. Sie wollte Kaiserin werden, dann sogar Pabstin. Jedes Mal musste der Fischer zum Butt gehen, und jedes Mal wurde das Meer dunkler und wilder. Der Fischer hatte Angst, aber seine Frau hörte nicht auf.

Schließlich sagte die Frau: „Ich will wie Gott sein. Ich will die Sonne und den Mond aufgehen lassen.“ Der Fischer erschrak sehr. Er ging trotzdem zum Butt. Das Meer war schwarz und riesige Wellen schlugen an den Strand. Der Fischer rief den Butt und sagte den letzten Wunsch seiner Frau.

Der Butt antwortete: „Geh nach Hause. Deine Frau sitzt wieder in der alten Hütte.“ Und so war es. Alles war weg: das schöne Haus, der Palast, die Macht. Der Fischer und seine Frau lebten wieder in ihrer kleinen Hütte am Meer.

Die Frau war sehr traurig, aber sie hatte gelernt, dass man nicht immer mehr und mehr verlangen darf. Der Fischer war froh, dass alles vorbei war. Und so lebten sie weiter, einfach und ruhig.




Die zwei Brüder

Es waren einmal ein armer Besenbinder und seine Frau. Sie hatten zwei kleine Söhne. Die Familie war sehr arm, aber die Eltern liebten ihre Kinder. Eines Tages fand der Vater eine große, goldene Münze im Wald. Er freute sich sehr und kaufte davon gutes Essen für die Familie. Doch am nächsten Tag fand er wieder eine Münze. Das passierte viele Tage lang. Die Mutter wurde misstrauisch und folgte ihrem Mann. Sie sah, dass ein Fuchs dem Mann jeden Tag eine Münze brachte. Der Fuchs war freundlich und wollte der Familie helfen.

Die zwei Jungen wuchsen heran und wurden stark und mutig. Als sie älter waren, gingen sie in die Welt hinaus. Jeder bekam ein kleines Messer vom Vater und ein Küsschen von der Mutter. Die Brüder versprachen, immer aneinander zu denken. Sie gingen zusammen durch den Wald, bis sie an eine Kreuzung kamen. Dort beschlossen sie, sich zu trennen. Jeder Bruder nahm einen anderen Weg. Sie steckten ihre Messer in einen Baum. Wenn ein Messer rostig wurde, bedeutete das, dass dem anderen Bruder etwas Schlimmes passiert war.

Der erste Bruder kam in eine große Stadt. Dort hörte er, dass ein gefährliches Ungeheuer die Königstochter bedrohte. Der Bruder war mutig und wollte helfen. Er kämpfte gegen das Ungeheuer und besiegte es. Der König war sehr dankbar und gab ihm die Prinzessin zur Frau. Der Bruder wurde glücklich und lebte im Schloss.

Der zweite Bruder erlebte viele Abenteuer. Er half armen Menschen, rettete Tiere und kämpfte gegen Räuber. Eines Tages kam er wieder an die Kreuzung und sah, dass das Messer seines Bruders rostig war. Er wusste sofort, dass sein Bruder in Gefahr war. Schnell machte er sich auf den Weg zum Schloss.

Dort fand er seinen Bruder, der von bösen Männern gefangen genommen worden war. Der zweite Bruder befreite ihn mutig. Die beiden Brüder freuten sich sehr, dass sie wieder zusammen waren. Sie erzählten sich alles, was sie erlebt hatten. Der König war beeindruckt von ihrem Mut und ihrer Treue.

Am Ende lebten die zwei Brüder glücklich weiter. Sie blieben immer Freunde und halfen einander in jeder Situation. Ihre Geschichte wurde im ganzen Land erzählt, damit alle Menschen lernen konnten, wie wichtig Mut, Liebe und Zusammenhalt sind.




Die drei Spinnerinnen

Es war einmal ein Mädchen, das nicht gern spann. Spinnen bedeutet, Wolle auf ein Rad zu drehen. Das Mädchen mochte diese Arbeit nicht, und sie konnte es auch nicht gut. Ihre Mutter war darüber sehr wütend. Sie schimpfte jeden Tag und sagte: „Du musst mehr spinnen. Du bist faul.“ Das Mädchen wurde traurig und weinte oft.

Eines Tages kam die Königin in das Haus. Sie hörte das Weinen und fragte die Mutter, warum das Mädchen so traurig sei. Die Mutter schämte sich und wollte nicht sagen, dass ihre Tochter faul war. Deshalb log sie und sagte: „Meine Tochter spinnt so viel, dass ich nicht genug Flachs für sie habe.“ Die Königin war überrascht und sagte: „Wenn das Mädchen so gut spinnen kann, soll sie zu mir ins Schloss kommen. Ich habe viel Flachs. Wenn sie alles spinnt, bekommt sie meinen Sohn zum Mann.“ Das Mädchen erschrak, aber sie musste mitgehen.

Im Schloss zeigte die Königin ihr drei große Zimmer voller Flachs. „Spinne das alles. Wenn du fertig bist, wirst du meine Schwiegertochter.“ Dann ging sie weg und schloss die Tür. Das Mädchen war verzweifelt. Sie konnte niemals so viel spinnen.

Da erschienen plötzlich drei seltsame Frauen. Jede sah anders aus: Die erste hatte einen breiten Fuß, die zweite eine große Unterlippe, und die dritte eine sehr große Daumen. Sie fragten das Mädchen, warum sie so traurig sei. Das Mädchen erklärte alles. Die drei Frauen sagten: „Wir helfen dir. Aber du musst uns zu deiner Hochzeit einladen. Und du musst uns deine Tanten nennen.“ Das Mädchen versprach es.

Die drei Frauen setzten sich hin und arbeiteten schnell. Bald war der ganze Flachs gesponnen. Die Königin war sehr zufrieden und der Prinz heiratete das Mädchen.

Bei der Hochzeit kamen die drei Frauen. Der Prinz fragte sie neugierig, warum sie so komisch aussahen. Die erste sagte: „Vom vielen Treten auf dem Spinnrad habe ich einen breiten Fuß.“ Die zweite sagte: „Vom vielen Lecken am Faden habe ich eine große Lippe.“ Die dritte sagte: „Vom vielen Drehen habe ich einen großen Daumen.“

Der Prinz erschrak und sagte zu seiner Frau: „Du sollst nie wieder spinnen. Ich will nicht, dass du so aussiehst.“ Das Mädchen freute sich sehr. Und so musste sie nie wieder spinnen und lebte glücklich im Schloss.




Die sechs Schwäne

Es war einmal ein König, der sechs Söhne und eine Tochter hatte. Der König liebte seine Kinder sehr. Eines Tages heiratete er eine neue Frau. Sie war schön, aber sie hatte ein böses Herz. Die neue Königin war eifersüchtig auf die Kinder. Sie wollte, dass der König nur sie liebt.

Die Königin lernte ein bisschen Zauberei. Mit ihrer Magie verwandelte sie die sechs Prinzen in Schwäne. Die Prinzessin, ihre kleine Schwester, konnte fliehen. Sie lief in den Wald und suchte ihre Brüder. Nach langer Zeit fand sie die sechs Schwäne am See. Die Brüder erzählten ihr, dass sie nur für kurze Zeit Menschen sein können – jeden Abend für 15 Minuten. Danach werden sie wieder zu Schwänen.

Die Brüder sagten der Schwester, dass es nur einen Weg gibt, den Zauber zu brechen. Sie muss sechs Hemden aus Sternblumen nähen. Während dieser ganzen Zeit darf sie kein Wort sprechen und nicht lachen. Wenn sie spricht, bleiben die Brüder für immer Schwäne. Die Schwester versprach, zu helfen.

Sie suchte Sternblumen und begann zu nähen. Es war harte Arbeit. Sie sprach mit niemandem. Sie lebte allein im Wald. Eines Tages kam ein junger König vorbei. Er sah das schöne Mädchen und verliebte sich sofort in sie. Er nahm sie mit in sein Schloss und heiratete sie. Die junge Königin war glücklich, aber sie durfte immer noch nicht sprechen.

Die Mutter des Königs mochte die junge Frau nicht. Sie sagte, die Königin sei böse. Sie zeigte auf das Baby der Königin und behauptete, die junge Frau habe dem Kind etwas getan. Die Leute glaubten der alten Frau. Die junge Königin konnte sich nicht verteidigen, weil sie ja nicht sprechen durfte.

Schließlich sollte sie verbrannt werden. Am Tag der Strafe brachte man sie zum Platz. Da kamen die sechs Schwäne geflogen. Die Königin war gerade mit dem letzten Hemd fertig. Sie warf die Hemden über die Schwäne. Sofort verwandelten sie sich zurück in Menschen. Nur der jüngste Bruder hatte noch einen Schwanenflügel, weil das letzte Hemd nicht ganz fertig war.

Jetzt konnte die junge Frau endlich sprechen. Sie erklärte alles. Der König glaubte ihr und war sehr glücklich. Die böse Schwiegermutter wurde bestraft. Die Familie lebte wieder zusammen und war froh.




Der goldene Vogel

Es war einmal ein König, der einen wunderschönen Garten hatte. In diesem Garten stand ein Baum mit goldenen Äpfeln. Jeden Morgen zählte der König die Äpfel. Aber eines Tages fehlte ein Apfel. Am nächsten Tag fehlten wieder Äpfel. Der König wurde sehr traurig und wollte wissen, wer die Äpfel stiehlt.

Der älteste Sohn des Königs sollte in der Nacht auf den Baum aufpassen. Er setzte sich unter den Baum, aber er wurde müde und schlief ein. Am Morgen fehlten wieder Äpfel. Dann sollte der zweite Sohn wachen. Auch er schlief ein. Schließlich sollte der jüngste Sohn aufpassen. Er war wach und sah in der Nacht einen hellen, goldenen Vogel. Der Vogel nahm einen Apfel und flog weg. Der Sohn erzählte es dem König. Der König wollte den Vogel fangen.

Die drei Söhne machten sich auf den Weg. Der älteste und der zweite Sohn gingen zusammen. Sie kamen zu einem Wald und sahen einen Fuchs. Der Fuchs warnte sie, aber die beiden hörten nicht zu. Sie gingen ihren eigenen Weg und kamen nicht weiter.

Der jüngste Sohn traf auch den Fuchs. Er hörte auf ihn und ritt auf seinem Rücken. Der Fuchs brachte ihn zu einer Burg. Dort war der goldene Vogel in einem Käfig. Der Fuchs sagte: „Nimm den Vogel, aber nicht den goldenen Käfig.“ Doch der Sohn nahm den goldenen Käfig, weil er so schön war. Sofort machten die Wachen Lärm und der Sohn wurde gefangen.

Der König der Burg sagte: „Du bekommst den Vogel nur, wenn du mir das goldene Pferd bringst.“ Der Sohn ging wieder mit dem Fuchs weiter. Der Fuchs warnte ihn wieder: „Nimm das Pferd, aber nicht den goldenen Sattel.“ Doch der Sohn nahm den Sattel und wurde wieder gefangen. Nun sollte er eine schöne Prinzessin holen.

Mit Hilfe des Fuchses schaffte er auch das. Am Ende bekam er den Vogel, das Pferd und die Prinzessin. Der Fuchs verwandelte sich in einen Menschen. Er war ein verzauberter Mann und jetzt frei. Der jüngste Sohn kehrte mit allem zum König zurück. Er wurde glücklich und lebte mit der Prinzessin viele Jahre.




Die Alte im Wald

Es war einmal ein Mädchen, das mit seinen Eltern im Wald reiste. Sie fuhren mit einer Kutsche. Plötzlich kamen Räuber aus dem Wald. Die Räuber nahmen alles mit, was die Familie hatte. Die Eltern hatten große Angst. Das Mädchen rannte weg und versteckte sich hinter einem Baum. Die Räuber fanden sie nicht. Aber als sie wieder weg waren, war das Mädchen allein im Wald. Sie wusste nicht, wohin sie gehen sollte.

Das Mädchen ging lange durch den Wald. Sie war sehr müde und hungrig. Nach einiger Zeit sah sie einen kleinen Vogel. Der Vogel sang ein schönes Lied. Das Mädchen folgte dem Vogel. Der Vogel flog immer weiter und führte sie zu einem kleinen Haus im Wald. Das Haus war alt, aber sauber. Das Mädchen klopfte an die Tür. Eine alte Frau öffnete.

Die alte Frau war freundlich. Sie sagte: „Komm herein, mein Kind.“ Das Mädchen bekam Essen und durfte dort schlafen. Am nächsten Morgen sagte die alte Frau: „Du kannst bei mir bleiben und arbeiten. Dann bekommst du jeden Tag Essen.“ Das Mädchen war froh und stimmte zu.

Die Arbeit war nicht schwer. Das Mädchen musste nur jeden Tag ein Zimmer sauber machen. Aber die alte Frau sagte: „Du darfst die anderen Türen im Haus nicht öffnen.“ Das Mädchen versprach es.

Eines Tages war die alte Frau nicht zu Hause. Das Mädchen war neugierig. Sie öffnete eine der Türen. Dahinter war ein wunderschöner Garten. In der Mitte stand ein Baum mit goldenen Äpfeln. Als das Mädchen einen Apfel pflückte, wurde der Vogel aus dem Wald plötzlich ein schöner Prinz. Er sagte: „Ich war verzaubert. Nur ein gutes Mädchen konnte mich befreien.“

Der Prinz nahm das Mädchen mit zu seinem Schloss. Dort lebten sie glücklich zusammen. Die alte Frau war eigentlich eine gute Hexe. Sie freute sich, dass der Prinz frei war. Das Mädchen vergaß nie, wie der Vogel ihr geholfen hatte, als sie allein im Wald war.




Die vier kunstreichen Brüder

Es war einmal ein armer Vater, der vier Söhne hatte. Die Jungen waren fleißig, aber sie hatten keine Arbeit. Eines Tages sagte der Vater: „Ihr seid jetzt alt genug. Geht in die Welt und lernt ein gutes Handwerk. In einem Jahr treffen wir uns wieder hier.“ Die vier Brüder waren einverstanden und gingen los. Jeder wollte etwas Besonderes lernen.

Der erste Bruder traf einen Mann, der ihm sagte: „Komm mit mir. Ich lehre dich, wie man ein großer Dieb wird.“ Der Bruder lernte schnell. Bald konnte er Dinge stehlen, ohne dass jemand es merkte. Er war stolz auf seine neue Kunst.

Der zweite Bruder fand einen Lehrer, der Sterne beobachtete. Der Mann sagte: „Ich bringe dir bei, wie du alles am Himmel sehen kannst.“ Der Bruder lernte, die Sterne zu lesen. Er konnte sogar Dinge sehen, die sehr weit weg waren.

Der dritte Bruder traf einen Jäger. Der Jäger sagte: „Ich mache dich zu einem Meisterschützen.“ Der Bruder übte jeden Tag. Bald konnte er jedes Ziel treffen, auch wenn es sehr klein war.

Der vierte Bruder fand einen Mann, der Stoffe nähte. Der Mann sagte: „Ich zeige dir, wie man alles reparieren kann.“ Der Bruder lernte, schnell und sauber zu nähen. Er konnte sogar Dinge nähen, die andere nicht reparieren konnten.

Nach einem Jahr kamen alle vier Brüder zurück nach Hause. Der Vater freute sich sehr und fragte: „Was habt ihr gelernt?“ Jeder erzählte stolz von seiner Kunst. Der Vater war beeindruckt.

Kurz danach hörten sie, dass der König große Sorgen hatte. Ein Drache hatte die Prinzessin gestohlen. Der König versprach eine Belohnung für den, der sie rettete. Die vier Brüder wollten helfen.

Der zweite Bruder sah mit seiner Sternenkunst, wo der Drache war. Der erste Bruder stahl die Prinzessin aus der Höhle, ohne dass der Drache es merkte. Der dritte Bruder schoss auf den Drachen, als er sie verfolgte. Der vierte Bruder nähte das Boot, das der Drache beschädigt hatte, damit sie sicher fliehen konnten.

Der König war sehr dankbar. Er fragte: „Wer von euch soll die Belohnung bekommen?“ Die Brüder sagten: „Wir haben nur zusammen gewonnen.“ Der König lobte sie und gab jedem eine schöne Belohnung.

So kehrten die vier kunstreichen Brüder glücklich nach Hause zurück.




Der Bärenhäuter

Es war einmal ein junger Soldat. Der Krieg war vorbei, und der Soldat hatte keine Arbeit und kein Zuhause. Er wanderte durch den Wald und wusste nicht, was er tun sollte. Er war sehr traurig und hungrig. Da traf er plötzlich den Teufel. Der Teufel sah freundlich aus, aber der Soldat wusste, dass er vorsichtig sein musste.

Der Teufel sagte: „Ich kann dir helfen. Ich gebe dir Geld, so viel du willst. Aber du musst drei Jahre lang meinen Mantel tragen. Du darfst dich nicht waschen, nicht die Haare schneiden und nicht beten. Wenn du das schaffst, bist du frei und reich.“ Der Soldat dachte lange nach. Er hatte keine andere Möglichkeit. Also sagte er: „Ja, ich mache es.“

Der Teufel gab ihm einen grünen Mantel und eine große Tasche voller Geld. Dann verschwand er. Der Soldat zog den Mantel an. Er wurde sofort sehr schmutzig und roch schlecht. Die Leute nannten ihn „Bärenhäuter“, weil er so wild und dreckig aussah.

Der Bärenhäuter reiste durch das Land. Er gab armen Menschen Geld und half, wo er konnte. Viele hatten Angst vor ihm, aber er war freundlich und gut. Eines Tages kam er in ein Haus, wo ein alter Mann mit seinen drei Töchtern lebte. Der Mann war arm und traurig. Der Bärenhäuter gab ihm Geld, damit er seine Schulden bezahlen konnte. Der alte Mann war sehr dankbar.

Die älteste Tochter und die mittlere Tochter hatten Angst vor dem Bärenhäuter. Sie fanden ihn hässlich und wollten nichts mit ihm zu tun haben. Aber die jüngste Tochter war mutig und freundlich. Sie sagte: „Ein Mensch ist mehr als sein Aussehen.“ Sie sprach nett mit ihm und hatte keine Angst. Der Bärenhäuter versprach ihr: „In drei Jahren komme ich zurück. Wenn du dann noch an mich glaubst, werde ich dich heiraten.“

Die drei Jahre waren sehr schwer. Der Bärenhäuter wurde immer schmutziger und einsamer. Aber er gab nicht auf. Endlich kam der Teufel zurück. Der Soldat hatte die Aufgabe geschafft. Der Teufel musste ihn freilassen. Der Bärenhäuter durfte sich waschen, neue Kleidung anziehen und sah wieder wie ein schöner junger Mann aus.

Er ging zurück zu dem alten Mann und seinen Töchtern. Die beiden älteren Töchter schämten sich, weil sie ihn schlecht behandelt hatten. Die jüngste Tochter aber freute sich sehr. Sie erkannte ihn sofort an seinen Augen. Der Bärenhäuter und die jüngste Tochter heirateten und lebten glücklich und reich.




Der Teufel mit der Kappe

Es war einmal ein armer Soldat. Der Krieg war vorbei, und er hatte keinen Lohn bekommen. Er war müde, hungrig und wusste nicht, wohin er gehen sollte. Auf seinem Weg durch den Wald traf er plötzlich einen kleinen Mann. Der Mann sah freundlich aus, aber er war in Wirklichkeit der Teufel. Der Teufel trug eine besondere Kappe. Mit dieser Kappe konnte er unsichtbar werden.

Der Teufel sagte zum Soldaten: „Ich weiß, dass du arm bist. Ich kann dir helfen. Du bekommst viel Geld von mir. Aber dafür musst du sieben Jahre lang für mich arbeiten. In dieser Zeit darfst du dich nicht waschen, nicht die Haare schneiden und nicht beten.“ Der Soldat dachte lange nach. Er hatte keine Familie und kein Zuhause. Also sagte er: „Ja, ich mache es.“

Der Teufel gab ihm die Kappe und sagte: „Mit dieser Kappe kannst du unsichtbar werden. Du kannst damit viele Dinge tun. Aber du musst immer zu mir zurückkommen, wenn ich dich rufe.“ Der Soldat nahm die Kappe und begann seine Arbeit.

Er reiste durch viele Länder. Weil er unsichtbar war, konnte er Menschen helfen oder auch Streiche spielen. Manchmal nahm er Essen aus einer Küche, ohne dass jemand es sah. Manchmal half er armen Leuten, indem er ihnen heimlich Geld gab. Die Menschen wunderten sich oft, aber sie hatten keine Angst, denn der Soldat tat niemandem etwas Böses.

Mit der Zeit sah der Soldat aber sehr schlimm aus. Seine Haare waren lang und wild, seine Kleidung war schmutzig, und sein Gesicht war schwarz von Staub. Die Leute hatten Angst vor ihm, wenn er sichtbar war. Trotzdem blieb er freundlich und geduldig.

Nach sieben Jahren kam der Teufel wieder. Er sagte: „Die Zeit ist vorbei. Du hast deine Arbeit gut gemacht.“ Dann gab er dem Soldaten wieder ein normales Aussehen. Der Soldat war sauber, gesund und sah stark aus. Außerdem bekam er einen großen Beutel voller Gold.

Der Soldat war sehr glücklich. Er ging in ein Dorf und kaufte sich ein Haus. Er lebte dort friedlich und half vielen Menschen mit seinem Geld. Niemand wusste, dass er einmal für den Teufel gearbeitet hatte. Aber alle mochten ihn, weil er freundlich und großzügig war.

So lebte der Soldat bis an sein Lebensende zufrieden und reich.




Das singende, springende Löweneckerchen

Es war einmal ein Mann, der drei Töchter hatte. Er wollte jeder Tochter ein besonderes Geschenk mitbringen. Die älteste Tochter wollte Perlen, die zweite wollte Edelsteine. Die jüngste Tochter wünschte sich ein singendes, springendes Löweneckerchen, einen sehr seltenen Vogel.

Der Vater suchte lange nach diesem Vogel. Endlich fand er einen, aber der Vogel gehörte einem Löwen. Der Löwe sagte: „Du darfst den Vogel haben, aber nur, wenn du mir deine jüngste Tochter gibst.“ Der Vater hatte große Angst. Er wollte seine Tochter nicht verlieren, aber er wollte ihr auch das Geschenk bringen. Am Ende versprach er dem Löwen, dass seine Tochter kommen würde.

Zu Hause erzählte der Vater alles. Die jüngste Tochter war mutig. Sie sagte: „Ich habe das Geschenk gewünscht. Jetzt muss ich mein Versprechen halten.“ Also ging sie zum Löwen. Doch der Löwe war kein echtes Tier. Am Tag war er ein Löwe, aber in der Nacht wurde er ein schöner Mann. Die beiden lebten zusammen und wurden glücklich.

Eines Tages wollte die Tochter ihre Familie besuchen. Der Löwe erlaubte es, aber er sagte: „Du darfst nicht länger als acht Tage bleiben.“ Die Tochter versprach es. Doch zu Hause freuten sich alle so sehr, dass sie die Zeit vergaß. Als sie zurückkam, war der Löwe verschwunden. Er war verzaubert worden und musste nun eine böse Prinzessin heiraten.

Die junge Frau machte sich sofort auf den Weg, um ihn zu suchen. Sie wanderte durch Wälder und Berge. Unterwegs half sie drei Tieren: einem Adler, einem Fisch und einem Fuchs. Sie gab ihnen Essen und zeigte Freundlichkeit. Die Tiere versprachen, ihr später zu helfen.

Schließlich fand sie das Schloss der bösen Prinzessin. Dort sollte die Hochzeit stattfinden. Die junge Frau wollte den Löwenmann sprechen, aber die Prinzessin erlaubte es nicht. Da kamen die drei Tiere und halfen ihr. Der Adler brachte sie ins Schloss, der Fisch holte einen wichtigen Ring aus dem Wasser, und der Fuchs gab ihr einen klugen Rat.

Am Ende erkannte der Löwenmann seine wahre Braut. Der Zauber brach, und die böse Prinzessin verlor ihre Macht. Die junge Frau und der Mann wurden wieder vereint. Sie kehrten nach Hause zurück und lebten glücklich zusammen.




Die Lebenszeit

Am Anfang der Welt lebten Menschen, Tiere und Pflanzen noch nicht lange auf der Erde. Alles war neu, und niemand wusste, wie viel Zeit zum Leben bestimmt war. Deshalb rief Gott eines Tages alle Lebewesen zu sich. Er wollte jedem sagen, wie lange sein Leben dauern sollte. Die Tiere kamen zuerst und hörten aufmerksam zu.

Zuerst trat der Esel vor Gott. Gott sagte zu ihm, dass er dreißig Jahre leben sollte. Der Esel war nicht glücklich. Er erklärte, dass sein Leben sehr schwer sei. Er müsse jeden Tag Lasten tragen und hart arbeiten. Dreißig Jahre seien dafür zu lang. Er bat Gott, ihm weniger Lebenszeit zu geben. Gott dachte kurz nach und gab dem Esel nur achtzehn Jahre. Der Esel war zufrieden und ging.

Dann kam der Hund. Auch ihm bot Gott dreißig Jahre Lebenszeit an. Doch der Hund schüttelte den Kopf. Er sagte, dass sein Leben anstrengend sei, weil er immer wachsam sein müsse. Er müsse das Haus bewachen und oft bellen. Zwölf Jahre seien genug für ihn. Gott stimmte zu und gab ihm zwölf Jahre.

Als Nächstes kam der Affe. Gott sagte wieder, dass er dreißig Jahre leben sollte. Doch der Affe verzog das Gesicht. Er erklärte, dass er immer lustig sein müsse und die Menschen unterhalten solle. Das sei nicht leicht. Zehn Jahre seien für ihn genug. Gott gab ihm die zehn Jahre.

Zum Schluss kam der Mensch. Gott sagte, dass der Mensch dreißig Jahre leben sollte. Der Mensch war überrascht und unzufrieden. Dreißig Jahre erschienen ihm zu kurz. Er fragte Gott, ob er die Jahre bekommen könne, die die anderen Tiere nicht wollten. Gott überlegte und sagte dann ja. So bekam der Mensch die zwölf Jahre vom Esel, die achtzehn Jahre vom Hund und die zwanzig Jahre vom Affen zusätzlich zu seinen eigenen dreißig Jahren.

Seit dieser Zeit verläuft das Leben des Menschen in verschiedenen Abschnitten. Die ersten dreißig Jahre sind die echten Menschenjahre. In dieser Zeit ist der Mensch stark, gesund und voller Freude. Danach beginnen die Eseljahre, in denen der Mensch viel arbeitet und schwere Aufgaben trägt. Später folgen die Hundejahre, in denen der Mensch älter wird, oft müde ist und manchmal unruhig schläft. Am Ende kommen die Affenjahre, in denen der Mensch sehr alt ist, manchmal seltsame Dinge tut und die jungen Leute über ihn lachen.

So erklärt das Märchen, warum das Leben des Menschen verschiedene Phasen hat.




Der Königssohn, der sich vor nichts fürchtete

Es war einmal ein junger Königssohn. Er war freundlich, mutig und sehr neugierig. Aber er hatte ein Problem: Er kannte keine Angst. Er wusste nicht, wie sich Angst anfühlt. Viele Menschen fanden das gut, aber der Königssohn wollte unbedingt lernen, was Angst ist. Er sagte oft: „Ich möchte einmal richtig Angst haben. Dann weiß ich mehr über die Welt.“

Eines Tages hörte er von einem alten, großen Schloss. In diesem Schloss sollte es Geister, Monster und viele seltsame Dinge geben. Niemand wollte dort wohnen, weil alle Menschen große Angst hatten. Der Königssohn dachte: „Das ist perfekt für mich. Dort kann ich lernen, was Angst ist.“ Also machte er sich auf den Weg.

Als er im Schloss ankam, war es dunkel und kalt. Die Türen knarrten, und der Wind pfiff durch die Fenster. In der ersten Nacht hörte er Schritte. Ein großer schwarzer Hund kam auf ihn zu. Der Hund hatte rote Augen und sah gefährlich aus. Aber der Königssohn blieb ruhig. Er sagte: „Du bist ein schöner Hund.“ Der Hund verschwand, und der Königssohn hatte immer noch keine Angst.

In der zweiten Nacht kamen viele Geister. Sie tanzten um ihn herum und machten laute Geräusche. Einer warf sogar einen Knochen nach ihm. Der Königssohn sagte nur: „Hört bitte auf. Ich möchte schlafen.“ Die Geister verschwanden, und er hatte wieder keine Angst.

In der dritten Nacht wurde es noch seltsamer. Ein halber Mann fiel durch den Kamin. Dann fiel die andere Hälfte hinterher. Die beiden Teile setzten sich zusammen und wollten mit dem Königssohn kämpfen. Aber der Königssohn war stärker. Er besiegte den Mann und sagte: „Ich möchte nur lernen, was Angst ist.“ Doch auch das machte ihm keine Angst.

Am nächsten Morgen fand er im Schloss einen großen Schatz. Der König war sehr stolz auf seinen Sohn und gab ihm das Schloss und den Schatz. Der Königssohn war glücklich, aber er sagte traurig: „Ich weiß immer noch nicht, was Angst ist.“

Erst viel später lernte er es. Seine Frau schüttete ihm eines Nachts einen Eimer kaltes Wasser mit kleinen Fischen über den Rücken. Der Königssohn sprang auf und rief: „Oh! Jetzt habe ich Angst!“ Seine Frau lachte, und endlich wusste er, wie sich Angst anfühlt.



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