zu den Beispielsätzen von Toki Wawa




Wie viele Wörter braucht eine Pidgin-Sprache wirklich?

Toki Pona besteht aus nur etwa 130 Wörtern. Die erweiterte Version Toki Wawa hat rund 450 Wörter. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein überschaubarer Unterschied – nur etwa dreieinhalbmal so viele Wörter. Doch für die tatsächliche Ausdruckskraft einer Sprache zählt nicht die reine Menge, sondern die Zahl der möglichen Bedeutungen und Kombinationen, die dadurch entstehen.

Je mehr Wörter eine Sprache besitzt, desto feiner können Gedanken unterschieden werden. Synonyme, Fachbegriffe und präzisere Formulierungen reduzieren Mehrdeutigkeiten und machen Aussagen klarer. Dadurch wächst die Ausdrucksstärke nicht einfach linear, sondern überproportional.

Warum steigt die Ausdruckskraft so stark?

Man kann sich das so vorstellen:
Wenn eine Aussage im Durchschnitt aus 3 bis 5 bedeutungsvollen Wörtern besteht, entstehen aus jedem zusätzlichen Wort unzählige neue Kombinationsmöglichkeiten. Mathematisch lässt sich das grob so ausdrücken:

Ausdruckskraft ≈ Wortanzahl hoch Satzlänge

Also zum Beispiel:

  • bei 3 Wort Aussagen: (W^3)

  • bei 4 Wort Aussagen: (W^4)

  • bei 5 Wort Aussagen: (W^5)

Setzt man nun 130 und 450 Wörter ein, ergibt sich – je nach angenommener Satzlänge – eine Steigerung der Ausdruckskraft zwischen etwa 40 fach und 500 fach.
Ein sinnvoller Mittelwert liegt bei ungefähr
270 facher Ausdruckskraft.
Das zeigt, wie enorm der Sprung ist, obwohl die Wortanzahl „nur“ um den Faktor 3,5 steigt.


Wie findet man den optimalen Wortschatz?

Mehr Wörter bedeuten aber auch mehr Lernaufwand. Deshalb stellt sich die Frage:
Wie viele Wörter lohnen sich wirklich, bevor der Aufwand zu groß wird?

Hier hilft ein einfaches, aber aussagekräftiges Modell. Es betrachtet zwei Größen:

  1. Nutzen:
    Jedes neue Wort erhöht die Ausdruckskraft – und zwar überproportional.
    Mathematisch wächst der Nutzen ungefähr wie (W^k).

  2. Kosten:
    Jedes neue Wort muss gelernt, behalten und sicher angewendet werden.
    Der Lernaufwand wächst ungefähr proportional zur Wortanzahl, also wie (W).

Wenn man beides kombiniert, ergibt sich ein Verhältnis:

Nutzen pro Aufwand ≈ (W^{k-1})

Das bedeutet:
Solange (k) (also die typische Satzlänge) größer als 1 ist, lohnt sich ein wachsender Wortschatz – aber nur bis zu dem Punkt, an dem der Lernaufwand spürbar steigt. Und genau das passiert bei Menschen ab einer bestimmten Größe:
Je mehr Wörter man kennt, desto schwieriger wird es, sie sicher zu behalten und schnell abzurufen. Der Aufwand pro Wort steigt also irgendwann stärker an als der Nutzen.

Wenn man diesen Effekt berücksichtigt, ergibt sich ein natürlicher „Sweet Spot“:

Ein Wortschatz zwischen etwa 300 und 600 Wörtern bietet das beste Verhältnis aus Ausdruckskraft und Lernbarkeit.

Dieser Bereich ergibt sich nicht aus einer Behauptung, sondern aus der Kombination zweier mathematischer Effekte:

  • Nutzen wächst überproportional (Kombinationsmöglichkeiten)

  • Kosten wachsen zunehmend stärker (Gedächtnisbelastung, Verwechslungsgefahr)

Wo sich beide Kurven schneiden, liegt der optimale Bereich.


Warum 450 Wörter ideal sind

Genau in diesem Bereich liegt Toki Wawa mit seinen rund 450 Wörtern – groß genug, um komplexe Gedanken sauber auszudrücken, aber klein genug, um schnell und angenehm erlernbar zu bleiben. Es trifft damit einen besonders günstigen Punkt zwischen Minimalismus und praktischer Sprachkraft.


Gerne – ich formuliere den gesamten Abschnitt neu, bringe ihn in ein gutes, flüssiges Deutsch und integriere deine Gedanken so, dass der Text stimmig, nachvollziehbar und sprachlich rund wirkt. Ich halte ihn weiterhin allgemeinverständlich, aber mit klarer Argumentation.


Was will eine Plansprache eigentlich erreichen?

Wie viele Wörter eine Sprache braucht, hängt stark von ihrer Zielsetzung ab. Toki Pona verfolgt radikalen Minimalismus: möglichst wenige Wörter, maximale Einfachheit, bewusste Reduktion. Toki Wawa dagegen hat ein anderes Ziel. Diese Sprache soll im Alltag wirklich sprechbar sein – klar, direkt, vielseitig genug, um normale Gespräche ohne ständige Umschreibungen zu führen. Deshalb fällt Toki Wawa in die Kategorie der Welthilfssprachen: Sprachen, die Menschen aus verschiedenen Kulturen schnell lernen und praktisch anwenden können.

Toki Pona kann im Notfall ebenfalls als Hilfssprache dienen, doch sie ist dafür nicht optimal ausgestattet. Die extreme Kürze führt zu vielen Mehrdeutigkeiten, und komplexere Inhalte lassen sich nur umständlich ausdrücken. Toki Wawa bleibt zwar bewusst einfach und begrenzt, bietet aber genug Vokabular, um im Alltag realistisch einsetzbar zu sein – ohne juristische Verträge oder literarische Meisterwerke anzustreben. Dafür ist sie nicht gedacht, und das ist völlig in Ordnung. Ihr Reiz liegt im Praktischen und im Spaßfaktor.


Was wäre eine optimale Welthilfssprache?

Wenn man eine wirklich globale Hilfssprache entwickeln möchte – eine, die theoretisch sogar bei den Vereinten Nationen funktionieren könnte –, dann führt kein Weg an einer nüchternen Erkenntnis vorbei:

Man muss sich an natürlichen Sprachen orientieren.

Warum?
Weil die Welt bereits geprägt ist von bestimmten Lautmustern, Wortstämmen und Bedeutungsfeldern. Eine Welthilfssprache muss nicht nur logisch sein, sondern auch
vertraut klingen. Sie muss Wörter verwenden, die Menschen aus vielen Ländern intuitiv wiedererkennen.

Daraus folgt fast zwangsläufig:

  • Die Grammatik sollte stark vereinfacht sein, idealerweise nach englischem Vorbild.

  • Der Wortschatz sollte aus international bekannten Wurzeln bestehen.

  • Die Auswahl der Wörter müsste statistisch erfolgen: Welche Begriffe haben weltweit die höchste Wiedererkennungswahrscheinlichkeit?

Und hier zeigt sich ein klarer Trend:
Die Sprachen, die global am stärksten verbreitet sind – Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch –, stammen aus Europa. Sie dominieren Medien, Wissenschaft, Handel und Popkultur. Ein globaler Wortschatz, der möglichst vielen Menschen vertraut vorkommt, wird daher zwangsläufig
europäische Wurzeln haben. Chinesisch oder andere große Sprachfamilien lassen sich kaum integrieren, weil ihre Strukturen und Lautsysteme zu weit entfernt sind.

Ich kenne tatsächlich nur eine Plansprache, die diese Kriterien konsequent erfüllt: Europix von Ze do Rock. Sie kombiniert europäische Wortstämme, eine stark vereinfachte Grammatik und eine klare, funktionale Struktur. Wenn man eine optimale Welthilfssprache sucht, ist Europix ein beeindruckend durchdachtes Beispiel.


Wo steht Toki Wawa in diesem Spektrum?

Toki Wawa verfolgt ein anderes Ziel – und erfüllt es hervorragend.
Es ist eine
alltagstaugliche Minimal-Sprache, die:

  • schnell erlernbar bleibt,

  • genug Wörter besitzt, um präzise zu kommunizieren,

  • aber bewusst nicht den Anspruch erhebt, alle Bereiche des Lebens abzudecken.

Für Verträge, Diplomatie oder große Literatur ist sie nicht gedacht.
Für Alltag, Kreativität, Spaß, Klarheit und gemeinsames Lernen dagegen ideal.

Und natürlich gibt es viele andere Gründe, eine Kunstsprache zu entwickeln:

  • Sie soll besonders schön klingen.

  • Sie soll philosophische Gedanken präzise ausdrücken.

  • Sie soll logisch perfekt aufgebaut sein.

  • Sie soll eine bestimmte Kultur oder Idee transportieren.

  • Oder – wie bei Leibniz – sie soll sogar das Denken selbst verbessern.

Plansprachen sind Werkzeuge. Und jedes Werkzeug hat seinen Zweck.
Toki Wawa erfüllt seinen – und das macht sie wertvoll.



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